B-Jugendliche Johannes Voegele und Jörn Schubert vom TuS Adelhausen ergattern ebenso Gold wie Andreas Heidt vom RV Rümmingen 03 / Daniel Betz Vizemeister.
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Erfolgreiche B-Jugendliche des RV Rümmingen 03: Alexander Kizimov, der DM-Zweite Daniel Betz, Trainer Igor Pevtsov, der deutsche Meister Andreas Heidt und Dennis Petenko (von links). Foto: Kronenberger
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Martin Graupner spricht mit Thomilla von den Turntablerockern über die Turntablerocker, über Elektronik und über die Elektroniker.
SZENE: In den 90-er Jahren lag elektronische Musik für mich irgendwo zwischen Terrordrome, MoDo und 2Unlimited. Ich kam etwas verspätet dazu, mir diese Musik anzueignen. Wie war das bei dir?
THOMILLA: Da würde ich noch weiter zurück greifen. Die älteste Platte, die ich mir gekauft hab, mit neun Jahren, das war Herbie Hancock ›Rock It‹. Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht was elektronische oder nicht-elektronische Musik ist. Da hab ich einfach als kleines Kind Musik konsumiert. Lustigerweise ist es eine elektronische Platte gewesen. Die ich immer noch habe und immer noch im Club auflegen kann, was total der Hammer ist. Und eine Platte, die ich mir ein paar Jahre später gekauft habe, war Africa Bambaataa & Soulsonic Force ›Planet Rock‹. Die hat mich auch total umgehauen. Das war zu der Breakdance -Zeit. Allerdings wusste ich zu der Zeit auch noch nicht, dass das von Kraftwerk gesampelt wurde. Das hab ich erst Jahre später begriffen. Und Kraftwerk war für mich natürlich auch ein Lead zur elektronischen Musik. Klar hab ich in den 90-ern auch klassische elektronische Musik konsumiert, die in den Charts war, wie du schon gesagt hast. 2Unlimited, Snap oder Ähnliches. Auch wenn das vor allem Bandmusik ist. Auch bin ich durch meine Erfahrungen in den 90-ern in den Fängen des Hip-Hop gelandet. Das hat mich viele Jahre begleitet und beschäftigt. Erst Ende der 90-er, Anfang 2000, als wir auch mit Turntablerocker unser erstes Album gemacht haben, habe ich mich wieder intensiver mit elektronischer Musik beschäftigt, da wir für uns einfach aus dem Hip-Hop ausbrechen wollten und auch keine Lust mehr hatten, nur Hip-Hop in Clubs zu spielen. Zu dieser Zeit kamen auch richtige Kracher raus, wie Daft Punk und Fatboy Slim, was uns auch ganz doll beeinflusst hat. In dieser Zeit habe ich auch angefangen mir viel alte und auch neue elektronische Musik zu kaufen. Angefangen von Kraftwerk bis Deep House oder Detroit House. Es waren also schon immer verschiedene musikalische Einflüsse, die mich inspiriert haben.
SZENE: Heute finden Hip-Hop und elektronische Musik sehr häufig zusammen, was ich sehr schön finde. Was man zum Beispiel bei Deichkind sieht.
THOMILLA: Das ist auch generell bei Hip-Hop, dass sich das mit vielen musikalischen Stilrichtungen vermischt hat. Die Grenzen öffnen sich immer mehr. Es ist immer mehr möglich. Auch aufgrund der Technik natürlich, dadurch, was du heute zum Beispiel nur mit einem Laptop anstellen kannst. Ich finde das total beeindruckend, dass sich die Stile vor allem im Bereich Elektronik und Hip-Hop oder Elektronik und Rock, aber auch Klassik, gut kombinieren lassen.
SZENE: Gleichzeitig kritisiert ihr auch diese Laptop-Kultur in den Clubs.
THOMILLA: Das ist wieder ein anderes Thema. Da geht es quasi um das Auflegen. Wir kritisieren natürlich Leute, die sich DJ schimpfen und tatsächlich nur einen Laptop oder ein iPad in den Club mitnehmen, ein Knöpfchen drücken, einen Autopiloten und der feuert dann eine Top Ten ab, die sich derjenige auf irgendeinem DJ-Portal gekauft hat. Da entsteht kein eigener Stil. Die technischen Skills sind dann auch fürn Arsch. In dem Song ›D.W.I.E.S.‹, den du gerade ansprichst, ›Die Welt Ist Eine Scheibe‹, kritisieren wir zwar einerseits. Andererseits legen wir auch mit einem Laptop auf. Wir selbst machen das aber so, dass wir den Laptop mit Vinyl-Platten ansteuern. Mit sogenannten Timecode-Vinylplatten, was vom reinen Gefühl des Auflegens dasselbe ist, wie Vinyl-Schallplatten zu spielen. Du wechselst nur nicht mehr die Schallplatten und nimmst nicht mehr so viel mit. Sondern immer die zwei gleichen, die den Rechner ansteuern und sagen, wo ist der Startpunkt, wo ist der Endpunkt, wo befinde ich mich gerade im Song. Aber du hast genau die gleichen Möglichkeiten. Du kannst Songs scratchen, mixen, schneller machen, anhalten, rückwärts drehen. Und wenn du das für dich herausfindest und umsetzt, haben wir gar nichts dagegen. Im Gegenteil, wir machen das ja selbst so. Nur, wenn du einen Autopiloten abfeuerst, ohne einen eigenen Stil zu kreieren, dann kannst du auch gleich eine Mix-CD einlegen. Die Kritik ist also auch mit einem kleinen Augenzwinkern zu verstehen.
SZENE: Was ich gern mag, ist, dass bei eurer Musik mehr Philosophie sichtbar wird, als bei vielen anderen Elektronik-Künstlern. Wie würdest du diese Philosophie für dich beschreiben?
THOMILLA: Das liegt wohl daran, dass wir schon viel Musik gemacht haben und aus dem Umfeld urbaner Musik kommen. Wir haben ja viel Hip-Hop-Musik gemacht und produziert. Wir mögen aber auch alte Soul-Musik. Wir lassen uns beeinflussen von Italo-Disco, aber auch von Indie-Rock-Scheiben. Und wir lassen uns auch von den Essenzen inspirieren, packen die in unsere Musik und versuchen, die auf unserem Weg zu transportieren und einen eigenen Style zu kreieren.
Michi und ich sind beide sehr musikalisch, was häufig ein Problem darstellt, weil wir die Musik vollpacken mit vielen Spuren und Instrumenten und Stimmen und Samples und dann vor dem Abmischen vor dem Problem sitzen, dass da viel zu viel drin ist und wir den Song nochmal ausmisten müssen und nur die Elemente benutzen, die wir auch wirklich wollen. Das ist immer die größte Herausforderung, die größte Arbeit daran, weil wir nie auf irgend etwas verzichten können. Das ist wie im Süßigkeitenladen, wenn du nur fünf Euro in der Tasche hast, willst aber alles haben.
SZENE: Diese Arbeitsweise, die Zitate, die Kombinatorik, hört sich danach an, als wäre elektronische Musik für dich etwas postmodernes.
THOMILLA: Das ist ja auch eigentlich so. Die Elektronik ist die Verpackung, wie du das rüber bringst. Es ist elektronisch, weil wir digital arbeiten, dann aber analog echte, menschliche Stimmen, echte Instrumente aufnehmen, die aber wieder digitalisieren oder verelektronisieren. Und dadurch, dass wir Clubmusik machen, ist es auch quasi elektronisch umgesetzt.
SZENE: Die elektronische Musik kann also für dich nicht allein stehen.
THOMILLA: Die kann für mich auf keinen Fall alleine stehen. Die ist für mich genauso wichtig wie Soul, R&B, Disco, auch einige Indie-Rock-Sachen. Ich kann dir nicht sagen, in welchem Maß, aber es ist alles wichtig.
SZENE: Gibt es etwas ganz Bestimmtes, was euch antreibt, das zu machen?
THOMILLA: Das Eine führt zum Anderen. Wenn du im Club auflegst, jedes Wochenende von Stadt zu Stadt reist, Platten auflegst und das Gefühl einer guten Party mitnimmst, inspiriert das wahnsinnig und treibt dich an, unter der Woche im Studio Songs oder Edits zu machen, die du dann vielleicht das Wochenende darauf im Club spielen kannst. Das hat dann zu Folge, dass du da wieder etwas mitnimmst und das wieder probierst im Studio umzusetzen. Und wenn etwas nicht funktioniert, wirst du das auch nicht mit in das Studio nehmen. Und auch das Musikmachen als Hobby treibt einen an. Ich kann mich selbst mit Musik am besten ausdrücken. So drücke ich meine Gefühle aus. Das treibt mich an.
SZENE: Der Club ist für euch also auch Werkstatt.
THOMILLA: Auf jeden Fall. Das geht quasi in die Fabrik am Wochenende. Das ist natürlich nicht nur Spaß, das ist auch Arbeit. Leider ist auch nicht jede Party der Hammer. Wenn das so wäre, wäre das fantastisch. Aber zu 90% ist die Party gut und macht Spaß.
SZENE: Wo legt ihr für gewöhnlich auf?
THOMILLA: Vor allem im deutschsprachigen Raum. Und ein schönes Problem, das wir haben, ist, dass wir gar nicht alle Anfragen bedienen können. Dadurch können wir uns immer schon aussuchen, wo wir spielen. Und wir wollen uns auch nicht überspielen. Das war schon immer unsere Philosophie. In großen Städten wie Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, spielen wir für gewöhnlich auch nur zweimal im Jahr. Und dann haben wir auch schon unser Tourpensum erfüllt, weil es auch noch viele kleine Städte gibt, die wir bedienen möchten, können und wollen. Wir wollen uns auch selbst ein wenig exklusiv halten.
SZENE: Kann man euch demnächst auch in Rostock sehen?
THOMILLA: Es gibt eine erste Tourrutsche, die wir machen nach dem Albumrelease, da ist Rostock nicht dabei. Wir machen dann aber über den Sommer ein paar Festivals. Vielleicht ist etwas in der Nähe von Rostock. Und dann kommt im Herbst Teil zwei der Tour. Ich hoffe mal, dass Rostock dabei ist. Wir waren ja schon einige Male da und ich habe auch gute Erinnerungen an die Parties.
SZENE: Wie beurteilst du die elektronische Musikszene heute?
THOMILLA: Es kommen immer mal wieder Retroanfälle, wo alle möglichen DJs wieder auf einen Nenner kommen. 2003, 2004 waren Hardcore-Techno-DJs wie auch Deep-House-DJs auf so einem Synthie-Electro-House-Sound. Dann gab es ein paar Jahre später diese loophousigen Geschichten. Jetzt hab ich den Eindruck, dass Disco wieder etwas im Kommen ist. Das bricht das Tempo auch wieder ein bisschen auf, man muss sich nicht mehr auf diesen 125 bis 130 Beats per Minute bewegen, also dieses Floor Up-Tempo-Vollgas, was auch uns ganz recht ist. Auf unserer Platte spielen wir ja auch bewusst mit den Tempi, die teilweise ein bisschen langsamer sind, auf 110, 120 bpm. Und wir haben den Eindruck, dass so etwas glücklicherweise auch im Club wieder funktioniert und man nicht gleich, wenn man auf eine Party kommt, losbrettern muss. Dadurch hast du einen viel größeren Spannungsbogen. Wir finden es auch wichtig, dass du das Album nicht nur im Club hören kannst, sondern dass du das auch Zuhause oder im Auto oder in einer Bar anhören kannst. Für die Clubs kann man ja auch Remixe anfertigen, was wir auch für die Tour gemacht haben. Wir machen dann reduzierte Club-Edits, die ein bisschen länger sind, die anders arrangiert sind, vermashen die teilweise auch mit bekannten oder unbekannten Titeln, um den Leuten das Ganze etwas näher zu bringen, sonst wär das auch etwas Überforderung mit neuen Titel die keiner kennt, mit deutschen Vocals. Dazu haben wir auch noch ein visuelles Konzept entwickelt. Ich glaube das könnte ganz gut funktionieren.
SZENE: Was meinst du, was können junge Musiker besser machen?
THOMILLA: Ich glaube, sie können besser die sozialen Netzwerke im Internet nutzen. Ich merke bei uns, dass wir etwas facebookfaul sind. Das können junge Musiker total gut, twittern, facebooken, posten, ich tue mich damit noch ein bisschen schwer. Vielleicht sind wir da auch ein bisschen oldschool, weil wir aus diese Mitte der 90-er-Jahre-Zeit kommen, als MTV und VIVA noch total wichtig waren. Da gab es noch keine digitalen Formate, kein iTunes. Und es gab auch noch nicht die Technik im Club. Da hat man teilweise wirklich nur mit zwei Plattenspielern aufgelegt. Zum Teil auch CDs. Und man darf nicht stehen bleiben oder sich dagegen wehren. Man muss nur herausfinden, was man für sich nutzen kann.
SZENE: Das betrifft die wichtige Frage der Vermarktung. Was können die aber machen, um qualitativ besser zu werden?
THOMILLA: Qualität steckt einfach in einem eigenen Stil. Und wenn du frisch angefangen hast, glaub ich nicht, dass du schon herausgefunden hast, was dein eigener Stil ist. Das kann sich erst ergeben durch Erfahrung und durch Ausprobieren und Experimentieren und auch durch Eigenheiten. Das ist ja auch das, was wir in D.W.I.E.S. fordern oder kritisieren. Man darf nicht versuchen, jemand anders zu sein. Es gibt bestimmt viele junge DJs, die sehen, das etwas bei anderen Musikern funktioniert und die wollen das dann genauso machen. Und das geht unserer Meinung nach schief. Man muss probieren, einen eigenen Style für sich zu kreieren und zu finden. Und auch, wenn es mal nicht funktioniert, nicht aufgeben, sondern dran bleiben und auch hart bleiben. Und dann wird das schon funktionieren. Und wenn es doch nicht funktioniert, bleibt man sich zumindest selbst treu.
SZENE: Ihr nennt euren eigenen Stil ›Electronic Wildstyle‹.
THOMILLA: Ja irgend etwas muss man ja finden, wenn man ständig gefragt wird: Was macht ihr denn für Musik. Und das ist echt total schwierig, seine eigene Musik zu beschreiben. Vor allem wenn man sich eben aus verschiedenen Musikgenre bedient oder inspirieren lässt. Aber ›Electronic Wildstyle‹ trifft es vielleicht auch ganz gut. Denn die Musik ist elektronisch produziert und ist eine Mischung aus verschiedenen Stilen. Und jetzt, bei den neuen Album, passt das umso mehr. Das wünschen wir uns auch, dass das neue Album unseren eigenen Auflegestil wieder wildstyliger werden lässt. Wir haben jetzt gerade unseren Tourstart gehabt und haben wieder mal wild gemixt im Club und haben den Eindruck, das funktioniert ganz gut, zumal wir dafür ja auch viele Jahre standen. Die letzten Jahre sind wir vermehrt vom Tempo nach oben gegangen und haben auch vermehrt auf Electro und Techno-Festivals gespielt und auch entsprechenden Parties und Locations, was auch cool ist uns Spaß macht, aber wir wollen daraus wieder etwas ausbrechen. Das ist unser Plan.
SZENE: Beim Hören eurer Platte musste ich an Jazz denken. Auch, wenn das nicht konkret danach klingt. Glaubst du, es gibt strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen elektronischer Musik und Jazz?
THOMILLA: Hier und da auf jeden Fall. Das kommt aber auch darauf an, welche Musikrichtung den jeweiligen Musiker über die Jahre beschäftigt und inspiriert hat. Wir kommen ja beide aus Stuttgart und das war in den frühen 80-ern einfach ne GI-Stadt. Durch die vielen Amerikaner, die es da gab, gab es auch viele Black-Parties. oder urbane Parties, auf denen viel Hip-Hop und Soul und auch Disco gespielt wurde. Und das hat uns natürlich total beeinflusst. Ich glaube, darum haben wir auch lange Hip-Hop gemacht und gehört. Und ich denke, das beschäftigt uns auch nach wie vor sehr. Viele Soul Rare Groove oder auch jazzige Funk Samples haben uns für die neuen Songs inspiriert. Und dann haben wir auch mit entsprechenden Musikern gearbeitet. Mit dem orchestralen Leiter der Fantastischen Vier zum Beispiel, der ein totaler Virtuose am Piano ist und der wirklich alle Stile spielen kann, von Jazz über Latin bis zu Funk. Da kann es natürlich sein, dass ein eine jazzige Harmonie oder ein Piano Lick dabei ist. Aber das ist eher unbewusst passiert oder spontan.
SZENE: Das ist nicht nur klanglich gemeint. Auch strukturell. Wie die Musik funktioniert. Dass sie für den Club gemacht ist, dass sie tanzbar sein soll, dass sie zum Teil während des Auftritts entsteht, dass die Länge variabel ist, ob es da Gemeinsamkeiten gibt.
THOMILLA: Was ich dazu sagen kann, ist, dass elektronische Musik oder Clubmusik zum großen Teil aus Breaks besteht. Das ist oftmals der Höhepunkt, der Break, wenn es runterbricht, eine Spannung entsteht und dann setzt der Beat wieder ein. Das ist meistens der Moment, wenn der Laden tobt, wenn die Leute schreien und total abgehen. Wie das beim Jazz war, kann ich nicht sagen.
SZENE: Zum Ende eine inhaltliche Frage: Alles auf die 303. Natürlich erinnert das an den Synthesizer. Klingt aber mehr nach dem Artikel für Sachbeschädigung.
THOMILLA: (lacht) Das ist deine Interpretation, würde ich sagen. Aber das ist in erster Linie ein Wortspiel, da die Zimmernummer 303 ist und wir eine TB-303 nach dem Break verwenden. Diese Bassmaschine von Roland. Wir fanden einfach, das ist eine gute Interpretation von der Brutalität, die dann bei so einer Situation entstehen kann.
SZENE: Auch das Video dazu ist sehr schön.
THOMILLA: Das hat der gleiche gemacht, der auch unsere anderen Videos gemacht hat. Der hat es sowieso mit Tieren. Bei No Melody hatten wir es mit Pinguinen und einem Maulwurf. Bei No Funk waren auch schon Straußen dabei und Frösche. Und jetzt ist der Maulwurf zum Panda konvertiert. Er ist erwachsen geworden und hat auch Lust, mal ein bisschen Party zu machen.
Martin Graupner spricht mit Thomilla von den Turntablerockern über die Turntablerocker, über Elektronik und über die Elektroniker.
SZENE: In den 90-er Jahren lag elektronische Musik für mich irgendwo zwischen Terrordrome, MoDo und 2Unlimited. Ich kam etwas verspätet dazu, mir diese Musik anzueignen. Wie war das bei dir?
THOMILLA: Da würde ich noch weiter zurück greifen. Die älteste Platte, die ich mir gekauft hab, mit neun Jahren, das war Herbie Hancock ›Rock It‹. Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht was elektronische oder nicht-elektronische Musik ist. Da hab ich einfach als kleines Kind Musik konsumiert. Lustigerweise ist es eine elektronische Platte gewesen. Die ich immer noch habe und immer noch im Club auflegen kann, was total der Hammer ist. Und eine Platte, die ich mir ein paar Jahre später gekauft habe, war Africa Bambaataa & Soulsonic Force ›Planet Rock‹. Die hat mich auch total umgehauen. Das war zu der Breakdance -Zeit. Allerdings wusste ich zu der Zeit auch noch nicht, dass das von Kraftwerk gesampelt wurde. Das hab ich erst Jahre später begriffen. Und Kraftwerk war für mich natürlich auch ein Lead zur elektronischen Musik. Klar hab ich in den 90-ern auch klassische elektronische Musik konsumiert, die in den Charts war, wie du schon gesagt hast. 2Unlimited, Snap oder Ähnliches. Auch wenn das vor allem Bandmusik ist. Auch bin ich durch meine Erfahrungen in den 90-ern in den Fängen des Hip-Hop gelandet. Das hat mich viele Jahre begleitet und beschäftigt. Erst Ende der 90-er, Anfang 2000, als wir auch mit Turntablerocker unser erstes Album gemacht haben, habe ich mich wieder intensiver mit elektronischer Musik beschäftigt, da wir für uns einfach aus dem Hip-Hop ausbrechen wollten und auch keine Lust mehr hatten, nur Hip-Hop in Clubs zu spielen. Zu dieser Zeit kamen auch richtige Kracher raus, wie Daft Punk und Fatboy Slim, was uns auch ganz doll beeinflusst hat. In dieser Zeit habe ich auch angefangen mir viel alte und auch neue elektronische Musik zu kaufen. Angefangen von Kraftwerk bis Deep House oder Detroit House. Es waren also schon immer verschiedene musikalische Einflüsse, die mich inspiriert haben.
SZENE: Heute finden Hip-Hop und elektronische Musik sehr häufig zusammen, was ich sehr schön finde. Was man zum Beispiel bei Deichkind sieht.
THOMILLA: Das ist auch generell bei Hip-Hop, dass sich das mit vielen musikalischen Stilrichtungen vermischt hat. Die Grenzen öffnen sich immer mehr. Es ist immer mehr möglich. Auch aufgrund der Technik natürlich, dadurch, was du heute zum Beispiel nur mit einem Laptop anstellen kannst. Ich finde das total beeindruckend, dass sich die Stile vor allem im Bereich Elektronik und Hip-Hop oder Elektronik und Rock, aber auch Klassik, gut kombinieren lassen.
SZENE: Gleichzeitig kritisiert ihr auch diese Laptop-Kultur in den Clubs.
THOMILLA: Das ist wieder ein anderes Thema. Da geht es quasi um das Auflegen. Wir kritisieren natürlich Leute, die sich DJ schimpfen und tatsächlich nur einen Laptop oder ein iPad in den Club mitnehmen, ein Knöpfchen drücken, einen Autopiloten und der feuert dann eine Top Ten ab, die sich derjenige auf irgendeinem DJ-Portal gekauft hat. Da entsteht kein eigener Stil. Die technischen Skills sind dann auch fürn Arsch. In dem Song ›D.W.I.E.S.‹, den du gerade ansprichst, ›Die Welt Ist Eine Scheibe‹, kritisieren wir zwar einerseits. Andererseits legen wir auch mit einem Laptop auf. Wir selbst machen das aber so, dass wir den Laptop mit Vinyl-Platten ansteuern. Mit sogenannten Timecode-Vinylplatten, was vom reinen Gefühl des Auflegens dasselbe ist, wie Vinyl-Schallplatten zu spielen. Du wechselst nur nicht mehr die Schallplatten und nimmst nicht mehr so viel mit. Sondern immer die zwei gleichen, die den Rechner ansteuern und sagen, wo ist der Startpunkt, wo ist der Endpunkt, wo befinde ich mich gerade im Song. Aber du hast genau die gleichen Möglichkeiten. Du kannst Songs scratchen, mixen, schneller machen, anhalten, rückwärts drehen. Und wenn du das für dich herausfindest und umsetzt, haben wir gar nichts dagegen. Im Gegenteil, wir machen das ja selbst so. Nur, wenn du einen Autopiloten abfeuerst, ohne einen eigenen Stil zu kreieren, dann kannst du auch gleich eine Mix-CD einlegen. Die Kritik ist also auch mit einem kleinen Augenzwinkern zu verstehen.
SZENE: Was ich gern mag, ist, dass bei eurer Musik mehr Philosophie sichtbar wird, als bei vielen anderen Elektronik-Künstlern. Wie würdest du diese Philosophie für dich beschreiben?
THOMILLA: Das liegt wohl daran, dass wir schon viel Musik gemacht haben und aus dem Umfeld urbaner Musik kommen. Wir haben ja viel Hip-Hop-Musik gemacht und produziert. Wir mögen aber auch alte Soul-Musik. Wir lassen uns beeinflussen von Italo-Disco, aber auch von Indie-Rock-Scheiben. Und wir lassen uns auch von den Essenzen inspirieren, packen die in unsere Musik und versuchen, die auf unserem Weg zu transportieren und einen eigenen Style zu kreieren.
Michi und ich sind beide sehr musikalisch, was häufig ein Problem darstellt, weil wir die Musik vollpacken mit vielen Spuren und Instrumenten und Stimmen und Samples und dann vor dem Abmischen vor dem Problem sitzen, dass da viel zu viel drin ist und wir den Song nochmal ausmisten müssen und nur die Elemente benutzen, die wir auch wirklich wollen. Das ist immer die größte Herausforderung, die größte Arbeit daran, weil wir nie auf irgend etwas verzichten können. Das ist wie im Süßigkeitenladen, wenn du nur fünf Euro in der Tasche hast, willst aber alles haben.
SZENE: Diese Arbeitsweise, die Zitate, die Kombinatorik, hört sich danach an, als wäre elektronische Musik für dich etwas postmodernes.
THOMILLA: Das ist ja auch eigentlich so. Die Elektronik ist die Verpackung, wie du das rüber bringst. Es ist elektronisch, weil wir digital arbeiten, dann aber analog echte, menschliche Stimmen, echte Instrumente aufnehmen, die aber wieder digitalisieren oder verelektronisieren. Und dadurch, dass wir Clubmusik machen, ist es auch quasi elektronisch umgesetzt.
SZENE: Die elektronische Musik kann also für dich nicht allein stehen.
THOMILLA: Die kann für mich auf keinen Fall alleine stehen. Die ist für mich genauso wichtig wie Soul, R&B, Disco, auch einige Indie-Rock-Sachen. Ich kann dir nicht sagen, in welchem Maß, aber es ist alles wichtig.
SZENE: Gibt es etwas ganz Bestimmtes, was euch antreibt, das zu machen?
THOMILLA: Das Eine führt zum Anderen. Wenn du im Club auflegst, jedes Wochenende von Stadt zu Stadt reist, Platten auflegst und das Gefühl einer guten Party mitnimmst, inspiriert das wahnsinnig und treibt dich an, unter der Woche im Studio Songs oder Edits zu machen, die du dann vielleicht das Wochenende darauf im Club spielen kannst. Das hat dann zu Folge, dass du da wieder etwas mitnimmst und das wieder probierst im Studio umzusetzen. Und wenn etwas nicht funktioniert, wirst du das auch nicht mit in das Studio nehmen. Und auch das Musikmachen als Hobby treibt einen an. Ich kann mich selbst mit Musik am besten ausdrücken. So drücke ich meine Gefühle aus. Das treibt mich an.
SZENE: Der Club ist für euch also auch Werkstatt.
THOMILLA: Auf jeden Fall. Das geht quasi in die Fabrik am Wochenende. Das ist natürlich nicht nur Spaß, das ist auch Arbeit. Leider ist auch nicht jede Party der Hammer. Wenn das so wäre, wäre das fantastisch. Aber zu 90% ist die Party gut und macht Spaß.
SZENE: Wo legt ihr für gewöhnlich auf?
THOMILLA: Vor allem im deutschsprachigen Raum. Und ein schönes Problem, das wir haben, ist, dass wir gar nicht alle Anfragen bedienen können. Dadurch können wir uns immer schon aussuchen, wo wir spielen. Und wir wollen uns auch nicht überspielen. Das war schon immer unsere Philosophie. In großen Städten wie Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, spielen wir für gewöhnlich auch nur zweimal im Jahr. Und dann haben wir auch schon unser Tourpensum erfüllt, weil es auch noch viele kleine Städte gibt, die wir bedienen möchten, können und wollen. Wir wollen uns auch selbst ein wenig exklusiv halten.
SZENE: Kann man euch demnächst auch in Rostock sehen?
THOMILLA: Es gibt eine erste Tourrutsche, die wir machen nach dem Albumrelease, da ist Rostock nicht dabei. Wir machen dann aber über den Sommer ein paar Festivals. Vielleicht ist etwas in der Nähe von Rostock. Und dann kommt im Herbst Teil zwei der Tour. Ich hoffe mal, dass Rostock dabei ist. Wir waren ja schon einige Male da und ich habe auch gute Erinnerungen an die Parties.
SZENE: Wie beurteilst du die elektronische Musikszene heute?
THOMILLA: Es kommen immer mal wieder Retroanfälle, wo alle möglichen DJs wieder auf einen Nenner kommen. 2003, 2004 waren Hardcore-Techno-DJs wie auch Deep-House-DJs auf so einem Synthie-Electro-House-Sound. Dann gab es ein paar Jahre später diese loophousigen Geschichten. Jetzt hab ich den Eindruck, dass Disco wieder etwas im Kommen ist. Das bricht das Tempo auch wieder ein bisschen auf, man muss sich nicht mehr auf diesen 125 bis 130 Beats per Minute bewegen, also dieses Floor Up-Tempo-Vollgas, was auch uns ganz recht ist. Auf unserer Platte spielen wir ja auch bewusst mit den Tempi, die teilweise ein bisschen langsamer sind, auf 110, 120 bpm. Und wir haben den Eindruck, dass so etwas glücklicherweise auch im Club wieder funktioniert und man nicht gleich, wenn man auf eine Party kommt, losbrettern muss. Dadurch hast du einen viel größeren Spannungsbogen. Wir finden es auch wichtig, dass du das Album nicht nur im Club hören kannst, sondern dass du das auch Zuhause oder im Auto oder in einer Bar anhören kannst. Für die Clubs kann man ja auch Remixe anfertigen, was wir auch für die Tour gemacht haben. Wir machen dann reduzierte Club-Edits, die ein bisschen länger sind, die anders arrangiert sind, vermashen die teilweise auch mit bekannten oder unbekannten Titeln, um den Leuten das Ganze etwas näher zu bringen, sonst wär das auch etwas Überforderung mit neuen Titel die keiner kennt, mit deutschen Vocals. Dazu haben wir auch noch ein visuelles Konzept entwickelt. Ich glaube das könnte ganz gut funktionieren.
SZENE: Was meinst du, was können junge Musiker besser machen?
THOMILLA: Ich glaube, sie können besser die sozialen Netzwerke im Internet nutzen. Ich merke bei uns, dass wir etwas facebookfaul sind. Das können junge Musiker total gut, twittern, facebooken, posten, ich tue mich damit noch ein bisschen schwer. Vielleicht sind wir da auch ein bisschen oldschool, weil wir aus diese Mitte der 90-er-Jahre-Zeit kommen, als MTV und VIVA noch total wichtig waren. Da gab es noch keine digitalen Formate, kein iTunes. Und es gab auch noch nicht die Technik im Club. Da hat man teilweise wirklich nur mit zwei Plattenspielern aufgelegt. Zum Teil auch CDs. Und man darf nicht stehen bleiben oder sich dagegen wehren. Man muss nur herausfinden, was man für sich nutzen kann.
SZENE: Das betrifft die wichtige Frage der Vermarktung. Was können die aber machen, um qualitativ besser zu werden?
THOMILLA: Qualität steckt einfach in einem eigenen Stil. Und wenn du frisch angefangen hast, glaub ich nicht, dass du schon herausgefunden hast, was dein eigener Stil ist. Das kann sich erst ergeben durch Erfahrung und durch Ausprobieren und Experimentieren und auch durch Eigenheiten. Das ist ja auch das, was wir in D.W.I.E.S. fordern oder kritisieren. Man darf nicht versuchen, jemand anders zu sein. Es gibt bestimmt viele junge DJs, die sehen, das etwas bei anderen Musikern funktioniert und die wollen das dann genauso machen. Und das geht unserer Meinung nach schief. Man muss probieren, einen eigenen Style für sich zu kreieren und zu finden. Und auch, wenn es mal nicht funktioniert, nicht aufgeben, sondern dran bleiben und auch hart bleiben. Und dann wird das schon funktionieren. Und wenn es doch nicht funktioniert, bleibt man sich zumindest selbst treu.
SZENE: Ihr nennt euren eigenen Stil ›Electronic Wildstyle‹.
THOMILLA: Ja irgend etwas muss man ja finden, wenn man ständig gefragt wird: Was macht ihr denn für Musik. Und das ist echt total schwierig, seine eigene Musik zu beschreiben. Vor allem wenn man sich eben aus verschiedenen Musikgenre bedient oder inspirieren lässt. Aber ›Electronic Wildstyle‹ trifft es vielleicht auch ganz gut. Denn die Musik ist elektronisch produziert und ist eine Mischung aus verschiedenen Stilen. Und jetzt, bei den neuen Album, passt das umso mehr. Das wünschen wir uns auch, dass das neue Album unseren eigenen Auflegestil wieder wildstyliger werden lässt. Wir haben jetzt gerade unseren Tourstart gehabt und haben wieder mal wild gemixt im Club und haben den Eindruck, das funktioniert ganz gut, zumal wir dafür ja auch viele Jahre standen. Die letzten Jahre sind wir vermehrt vom Tempo nach oben gegangen und haben auch vermehrt auf Electro und Techno-Festivals gespielt und auch entsprechenden Parties und Locations, was auch cool ist uns Spaß macht, aber wir wollen daraus wieder etwas ausbrechen. Das ist unser Plan.
SZENE: Beim Hören eurer Platte musste ich an Jazz denken. Auch, wenn das nicht konkret danach klingt. Glaubst du, es gibt strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen elektronischer Musik und Jazz?
THOMILLA: Hier und da auf jeden Fall. Das kommt aber auch darauf an, welche Musikrichtung den jeweiligen Musiker über die Jahre beschäftigt und inspiriert hat. Wir kommen ja beide aus Stuttgart und das war in den frühen 80-ern einfach ne GI-Stadt. Durch die vielen Amerikaner, die es da gab, gab es auch viele Black-Parties. oder urbane Parties, auf denen viel Hip-Hop und Soul und auch Disco gespielt wurde. Und das hat uns natürlich total beeinflusst. Ich glaube, darum haben wir auch lange Hip-Hop gemacht und gehört. Und ich denke, das beschäftigt uns auch nach wie vor sehr. Viele Soul Rare Groove oder auch jazzige Funk Samples haben uns für die neuen Songs inspiriert. Und dann haben wir auch mit entsprechenden Musikern gearbeitet. Mit dem orchestralen Leiter der Fantastischen Vier zum Beispiel, der ein totaler Virtuose am Piano ist und der wirklich alle Stile spielen kann, von Jazz über Latin bis zu Funk. Da kann es natürlich sein, dass ein eine jazzige Harmonie oder ein Piano Lick dabei ist. Aber das ist eher unbewusst passiert oder spontan.
SZENE: Das ist nicht nur klanglich gemeint. Auch strukturell. Wie die Musik funktioniert. Dass sie für den Club gemacht ist, dass sie tanzbar sein soll, dass sie zum Teil während des Auftritts entsteht, dass die Länge variabel ist, ob es da Gemeinsamkeiten gibt.
THOMILLA: Was ich dazu sagen kann, ist, dass elektronische Musik oder Clubmusik zum großen Teil aus Breaks besteht. Das ist oftmals der Höhepunkt, der Break, wenn es runterbricht, eine Spannung entsteht und dann setzt der Beat wieder ein. Das ist meistens der Moment, wenn der Laden tobt, wenn die Leute schreien und total abgehen. Wie das beim Jazz war, kann ich nicht sagen.
SZENE: Zum Ende eine inhaltliche Frage: Alles auf die 303. Natürlich erinnert das an den Synthesizer. Klingt aber mehr nach dem Artikel für Sachbeschädigung.
THOMILLA: (lacht) Das ist deine Interpretation, würde ich sagen. Aber das ist in erster Linie ein Wortspiel, da die Zimmernummer 303 ist und wir eine TB-303 nach dem Break verwenden. Diese Bassmaschine von Roland. Wir fanden einfach, das ist eine gute Interpretation von der Brutalität, die dann bei so einer Situation entstehen kann.
SZENE: Auch das Video dazu ist sehr schön.
THOMILLA: Das hat der gleiche gemacht, der auch unsere anderen Videos gemacht hat. Der hat es sowieso mit Tieren. Bei No Melody hatten wir es mit Pinguinen und einem Maulwurf. Bei No Funk waren auch schon Straußen dabei und Frösche. Und jetzt ist der Maulwurf zum Panda konvertiert. Er ist erwachsen geworden und hat auch Lust, mal ein bisschen Party zu machen.
Martin Graupner spricht mit Thomilla von den Turntablerockern über die Turntablerocker, über Elektronik und über die Elektroniker.
SZENE: In den 90-er Jahren lag elektronische Musik für mich irgendwo zwischen Terrordrome, MoDo und 2Unlimited. Ich kam etwas verspätet dazu, mir diese Musik anzueignen. Wie war das bei dir?
THOMILLA: Da würde ich noch weiter zurück greifen. Die älteste Platte, die ich mir gekauft hab, mit neun Jahren, das war Herbie Hancock ›Rock It‹. Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht was elektronische oder nicht-elektronische Musik ist. Da hab ich einfach als kleines Kind Musik konsumiert. Lustigerweise ist es eine elektronische Platte gewesen. Die ich immer noch habe und immer noch im Club auflegen kann, was total der Hammer ist. Und eine Platte, die ich mir ein paar Jahre später gekauft habe, war Africa Bambaataa & Soulsonic Force ›Planet Rock‹. Die hat mich auch total umgehauen. Das war zu der Breakdance -Zeit. Allerdings wusste ich zu der Zeit auch noch nicht, dass das von Kraftwerk gesampelt wurde. Das hab ich erst Jahre später begriffen. Und Kraftwerk war für mich natürlich auch ein Lead zur elektronischen Musik. Klar hab ich in den 90-ern auch klassische elektronische Musik konsumiert, die in den Charts war, wie du schon gesagt hast. 2Unlimited, Snap oder Ähnliches. Auch wenn das vor allem Bandmusik ist. Auch bin ich durch meine Erfahrungen in den 90-ern in den Fängen des Hip-Hop gelandet. Das hat mich viele Jahre begleitet und beschäftigt. Erst Ende der 90-er, Anfang 2000, als wir auch mit Turntablerocker unser erstes Album gemacht haben, habe ich mich wieder intensiver mit elektronischer Musik beschäftigt, da wir für uns einfach aus dem Hip-Hop ausbrechen wollten und auch keine Lust mehr hatten, nur Hip-Hop in Clubs zu spielen. Zu dieser Zeit kamen auch richtige Kracher raus, wie Daft Punk und Fatboy Slim, was uns auch ganz doll beeinflusst hat. In dieser Zeit habe ich auch angefangen mir viel alte und auch neue elektronische Musik zu kaufen. Angefangen von Kraftwerk bis Deep House oder Detroit House. Es waren also schon immer verschiedene musikalische Einflüsse, die mich inspiriert haben.
SZENE: Heute finden Hip-Hop und elektronische Musik sehr häufig zusammen, was ich sehr schön finde. Was man zum Beispiel bei Deichkind sieht.
THOMILLA: Das ist auch generell bei Hip-Hop, dass sich das mit vielen musikalischen Stilrichtungen vermischt hat. Die Grenzen öffnen sich immer mehr. Es ist immer mehr möglich. Auch aufgrund der Technik natürlich, dadurch, was du heute zum Beispiel nur mit einem Laptop anstellen kannst. Ich finde das total beeindruckend, dass sich die Stile vor allem im Bereich Elektronik und Hip-Hop oder Elektronik und Rock, aber auch Klassik, gut kombinieren lassen.
SZENE: Gleichzeitig kritisiert ihr auch diese Laptop-Kultur in den Clubs.
THOMILLA: Das ist wieder ein anderes Thema. Da geht es quasi um das Auflegen. Wir kritisieren natürlich Leute, die sich DJ schimpfen und tatsächlich nur einen Laptop oder ein iPad in den Club mitnehmen, ein Knöpfchen drücken, einen Autopiloten und der feuert dann eine Top Ten ab, die sich derjenige auf irgendeinem DJ-Portal gekauft hat. Da entsteht kein eigener Stil. Die technischen Skills sind dann auch fürn Arsch. In dem Song ›D.W.I.E.S.‹, den du gerade ansprichst, ›Die Welt Ist Eine Scheibe‹, kritisieren wir zwar einerseits. Andererseits legen wir auch mit einem Laptop auf. Wir selbst machen das aber so, dass wir den Laptop mit Vinyl-Platten ansteuern. Mit sogenannten Timecode-Vinylplatten, was vom reinen Gefühl des Auflegens dasselbe ist, wie Vinyl-Schallplatten zu spielen. Du wechselst nur nicht mehr die Schallplatten und nimmst nicht mehr so viel mit. Sondern immer die zwei gleichen, die den Rechner ansteuern und sagen, wo ist der Startpunkt, wo ist der Endpunkt, wo befinde ich mich gerade im Song. Aber du hast genau die gleichen Möglichkeiten. Du kannst Songs scratchen, mixen, schneller machen, anhalten, rückwärts drehen. Und wenn du das für dich herausfindest und umsetzt, haben wir gar nichts dagegen. Im Gegenteil, wir machen das ja selbst so. Nur, wenn du einen Autopiloten abfeuerst, ohne einen eigenen Stil zu kreieren, dann kannst du auch gleich eine Mix-CD einlegen. Die Kritik ist also auch mit einem kleinen Augenzwinkern zu verstehen.
SZENE: Was ich gern mag, ist, dass bei eurer Musik mehr Philosophie sichtbar wird, als bei vielen anderen Elektronik-Künstlern. Wie würdest du diese Philosophie für dich beschreiben?
THOMILLA: Das liegt wohl daran, dass wir schon viel Musik gemacht haben und aus dem Umfeld urbaner Musik kommen. Wir haben ja viel Hip-Hop-Musik gemacht und produziert. Wir mögen aber auch alte Soul-Musik. Wir lassen uns beeinflussen von Italo-Disco, aber auch von Indie-Rock-Scheiben. Und wir lassen uns auch von den Essenzen inspirieren, packen die in unsere Musik und versuchen, die auf unserem Weg zu transportieren und einen eigenen Style zu kreieren.
Michi und ich sind beide sehr musikalisch, was häufig ein Problem darstellt, weil wir die Musik vollpacken mit vielen Spuren und Instrumenten und Stimmen und Samples und dann vor dem Abmischen vor dem Problem sitzen, dass da viel zu viel drin ist und wir den Song nochmal ausmisten müssen und nur die Elemente benutzen, die wir auch wirklich wollen. Das ist immer die größte Herausforderung, die größte Arbeit daran, weil wir nie auf irgend etwas verzichten können. Das ist wie im Süßigkeitenladen, wenn du nur fünf Euro in der Tasche hast, willst aber alles haben.
SZENE: Diese Arbeitsweise, die Zitate, die Kombinatorik, hört sich danach an, als wäre elektronische Musik für dich etwas postmodernes.
THOMILLA: Das ist ja auch eigentlich so. Die Elektronik ist die Verpackung, wie du das rüber bringst. Es ist elektronisch, weil wir digital arbeiten, dann aber analog echte, menschliche Stimmen, echte Instrumente aufnehmen, die aber wieder digitalisieren oder verelektronisieren. Und dadurch, dass wir Clubmusik machen, ist es auch quasi elektronisch umgesetzt.
SZENE: Die elektronische Musik kann also für dich nicht allein stehen.
THOMILLA: Die kann für mich auf keinen Fall alleine stehen. Die ist für mich genauso wichtig wie Soul, R&B, Disco, auch einige Indie-Rock-Sachen. Ich kann dir nicht sagen, in welchem Maß, aber es ist alles wichtig.
SZENE: Gibt es etwas ganz Bestimmtes, was euch antreibt, das zu machen?
THOMILLA: Das Eine führt zum Anderen. Wenn du im Club auflegst, jedes Wochenende von Stadt zu Stadt reist, Platten auflegst und das Gefühl einer guten Party mitnimmst, inspiriert das wahnsinnig und treibt dich an, unter der Woche im Studio Songs oder Edits zu machen, die du dann vielleicht das Wochenende darauf im Club spielen kannst. Das hat dann zu Folge, dass du da wieder etwas mitnimmst und das wieder probierst im Studio umzusetzen. Und wenn etwas nicht funktioniert, wirst du das auch nicht mit in das Studio nehmen. Und auch das Musikmachen als Hobby treibt einen an. Ich kann mich selbst mit Musik am besten ausdrücken. So drücke ich meine Gefühle aus. Das treibt mich an.
SZENE: Der Club ist für euch also auch Werkstatt.
THOMILLA: Auf jeden Fall. Das geht quasi in die Fabrik am Wochenende. Das ist natürlich nicht nur Spaß, das ist auch Arbeit. Leider ist auch nicht jede Party der Hammer. Wenn das so wäre, wäre das fantastisch. Aber zu 90% ist die Party gut und macht Spaß.
SZENE: Wo legt ihr für gewöhnlich auf?
THOMILLA: Vor allem im deutschsprachigen Raum. Und ein schönes Problem, das wir haben, ist, dass wir gar nicht alle Anfragen bedienen können. Dadurch können wir uns immer schon aussuchen, wo wir spielen. Und wir wollen uns auch nicht überspielen. Das war schon immer unsere Philosophie. In großen Städten wie Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, spielen wir für gewöhnlich auch nur zweimal im Jahr. Und dann haben wir auch schon unser Tourpensum erfüllt, weil es auch noch viele kleine Städte gibt, die wir bedienen möchten, können und wollen. Wir wollen uns auch selbst ein wenig exklusiv halten.
SZENE: Kann man euch demnächst auch in Rostock sehen?
THOMILLA: Es gibt eine erste Tourrutsche, die wir machen nach dem Albumrelease, da ist Rostock nicht dabei. Wir machen dann aber über den Sommer ein paar Festivals. Vielleicht ist etwas in der Nähe von Rostock. Und dann kommt im Herbst Teil zwei der Tour. Ich hoffe mal, dass Rostock dabei ist. Wir waren ja schon einige Male da und ich habe auch gute Erinnerungen an die Parties.
SZENE: Wie beurteilst du die elektronische Musikszene heute?
THOMILLA: Es kommen immer mal wieder Retroanfälle, wo alle möglichen DJs wieder auf einen Nenner kommen. 2003, 2004 waren Hardcore-Techno-DJs wie auch Deep-House-DJs auf so einem Synthie-Electro-House-Sound. Dann gab es ein paar Jahre später diese loophousigen Geschichten. Jetzt hab ich den Eindruck, dass Disco wieder etwas im Kommen ist. Das bricht das Tempo auch wieder ein bisschen auf, man muss sich nicht mehr auf diesen 125 bis 130 Beats per Minute bewegen, also dieses Floor Up-Tempo-Vollgas, was auch uns ganz recht ist. Auf unserer Platte spielen wir ja auch bewusst mit den Tempi, die teilweise ein bisschen langsamer sind, auf 110, 120 bpm. Und wir haben den Eindruck, dass so etwas glücklicherweise auch im Club wieder funktioniert und man nicht gleich, wenn man auf eine Party kommt, losbrettern muss. Dadurch hast du einen viel größeren Spannungsbogen. Wir finden es auch wichtig, dass du das Album nicht nur im Club hören kannst, sondern dass du das auch Zuhause oder im Auto oder in einer Bar anhören kannst. Für die Clubs kann man ja auch Remixe anfertigen, was wir auch für die Tour gemacht haben. Wir machen dann reduzierte Club-Edits, die ein bisschen länger sind, die anders arrangiert sind, vermashen die teilweise auch mit bekannten oder unbekannten Titeln, um den Leuten das Ganze etwas näher zu bringen, sonst wär das auch etwas Überforderung mit neuen Titel die keiner kennt, mit deutschen Vocals. Dazu haben wir auch noch ein visuelles Konzept entwickelt. Ich glaube das könnte ganz gut funktionieren.
SZENE: Was meinst du, was können junge Musiker besser machen?
THOMILLA: Ich glaube, sie können besser die sozialen Netzwerke im Internet nutzen. Ich merke bei uns, dass wir etwas facebookfaul sind. Das können junge Musiker total gut, twittern, facebooken, posten, ich tue mich damit noch ein bisschen schwer. Vielleicht sind wir da auch ein bisschen oldschool, weil wir aus diese Mitte der 90-er-Jahre-Zeit kommen, als MTV und VIVA noch total wichtig waren. Da gab es noch keine digitalen Formate, kein iTunes. Und es gab auch noch nicht die Technik im Club. Da hat man teilweise wirklich nur mit zwei Plattenspielern aufgelegt. Zum Teil auch CDs. Und man darf nicht stehen bleiben oder sich dagegen wehren. Man muss nur herausfinden, was man für sich nutzen kann.
SZENE: Das betrifft die wichtige Frage der Vermarktung. Was können die aber machen, um qualitativ besser zu werden?
THOMILLA: Qualität steckt einfach in einem eigenen Stil. Und wenn du frisch angefangen hast, glaub ich nicht, dass du schon herausgefunden hast, was dein eigener Stil ist. Das kann sich erst ergeben durch Erfahrung und durch Ausprobieren und Experimentieren und auch durch Eigenheiten. Das ist ja auch das, was wir in D.W.I.E.S. fordern oder kritisieren. Man darf nicht versuchen, jemand anders zu sein. Es gibt bestimmt viele junge DJs, die sehen, das etwas bei anderen Musikern funktioniert und die wollen das dann genauso machen. Und das geht unserer Meinung nach schief. Man muss probieren, einen eigenen Style für sich zu kreieren und zu finden. Und auch, wenn es mal nicht funktioniert, nicht aufgeben, sondern dran bleiben und auch hart bleiben. Und dann wird das schon funktionieren. Und wenn es doch nicht funktioniert, bleibt man sich zumindest selbst treu.
SZENE: Ihr nennt euren eigenen Stil ›Electronic Wildstyle‹.
THOMILLA: Ja irgend etwas muss man ja finden, wenn man ständig gefragt wird: Was macht ihr denn für Musik. Und das ist echt total schwierig, seine eigene Musik zu beschreiben. Vor allem wenn man sich eben aus verschiedenen Musikgenre bedient oder inspirieren lässt. Aber ›Electronic Wildstyle‹ trifft es vielleicht auch ganz gut. Denn die Musik ist elektronisch produziert und ist eine Mischung aus verschiedenen Stilen. Und jetzt, bei den neuen Album, passt das umso mehr. Das wünschen wir uns auch, dass das neue Album unseren eigenen Auflegestil wieder wildstyliger werden lässt. Wir haben jetzt gerade unseren Tourstart gehabt und haben wieder mal wild gemixt im Club und haben den Eindruck, das funktioniert ganz gut, zumal wir dafür ja auch viele Jahre standen. Die letzten Jahre sind wir vermehrt vom Tempo nach oben gegangen und haben auch vermehrt auf Electro und Techno-Festivals gespielt und auch entsprechenden Parties und Locations, was auch cool ist uns Spaß macht, aber wir wollen daraus wieder etwas ausbrechen. Das ist unser Plan.
SZENE: Beim Hören eurer Platte musste ich an Jazz denken. Auch, wenn das nicht konkret danach klingt. Glaubst du, es gibt strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen elektronischer Musik und Jazz?
THOMILLA: Hier und da auf jeden Fall. Das kommt aber auch darauf an, welche Musikrichtung den jeweiligen Musiker über die Jahre beschäftigt und inspiriert hat. Wir kommen ja beide aus Stuttgart und das war in den frühen 80-ern einfach ne GI-Stadt. Durch die vielen Amerikaner, die es da gab, gab es auch viele Black-Parties. oder urbane Parties, auf denen viel Hip-Hop und Soul und auch Disco gespielt wurde. Und das hat uns natürlich total beeinflusst. Ich glaube, darum haben wir auch lange Hip-Hop gemacht und gehört. Und ich denke, das beschäftigt uns auch nach wie vor sehr. Viele Soul Rare Groove oder auch jazzige Funk Samples haben uns für die neuen Songs inspiriert. Und dann haben wir auch mit entsprechenden Musikern gearbeitet. Mit dem orchestralen Leiter der Fantastischen Vier zum Beispiel, der ein totaler Virtuose am Piano ist und der wirklich alle Stile spielen kann, von Jazz über Latin bis zu Funk. Da kann es natürlich sein, dass ein eine jazzige Harmonie oder ein Piano Lick dabei ist. Aber das ist eher unbewusst passiert oder spontan.
SZENE: Das ist nicht nur klanglich gemeint. Auch strukturell. Wie die Musik funktioniert. Dass sie für den Club gemacht ist, dass sie tanzbar sein soll, dass sie zum Teil während des Auftritts entsteht, dass die Länge variabel ist, ob es da Gemeinsamkeiten gibt.
THOMILLA: Was ich dazu sagen kann, ist, dass elektronische Musik oder Clubmusik zum großen Teil aus Breaks besteht. Das ist oftmals der Höhepunkt, der Break, wenn es runterbricht, eine Spannung entsteht und dann setzt der Beat wieder ein. Das ist meistens der Moment, wenn der Laden tobt, wenn die Leute schreien und total abgehen. Wie das beim Jazz war, kann ich nicht sagen.
SZENE: Zum Ende eine inhaltliche Frage: Alles auf die 303. Natürlich erinnert das an den Synthesizer. Klingt aber mehr nach dem Artikel für Sachbeschädigung.
THOMILLA: (lacht) Das ist deine Interpretation, würde ich sagen. Aber das ist in erster Linie ein Wortspiel, da die Zimmernummer 303 ist und wir eine TB-303 nach dem Break verwenden. Diese Bassmaschine von Roland. Wir fanden einfach, das ist eine gute Interpretation von der Brutalität, die dann bei so einer Situation entstehen kann.
SZENE: Auch das Video dazu ist sehr schön.
THOMILLA: Das hat der gleiche gemacht, der auch unsere anderen Videos gemacht hat. Der hat es sowieso mit Tieren. Bei No Melody hatten wir es mit Pinguinen und einem Maulwurf. Bei No Funk waren auch schon Straußen dabei und Frösche. Und jetzt ist der Maulwurf zum Panda konvertiert. Er ist erwachsen geworden und hat auch Lust, mal ein bisschen Party zu machen.
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RINGEN. Der Ringernachwuchs aus Südbaden ist bundesweit das Maß aller Dinge. Zumindest bei der B-Jugend. Bei der deutschen Meisterschaft war der Südbadische Ringerverband in beiden Stilarten der jeweils erfolgreichste der zwölf teilnehmenden Verbände. So gewannen die Talente aus der Südwestecke in den 20 Disziplinen insgesamt 16 Medaillen – sieben goldene, fünf silberne und vier bronzene. Mit viermal Edelmetall, dreimal Gold und einmal Silber, tat sich auch die Jugend aus dem Bezirk Oberrhein besonders hervor.
Während im Freistil in Bingen (Rheinland-Pfalz) Johannes Voegele in der Gewichtsklasse bis 34 Kilo und Jörn Schubert (bis 42 kg) vom TuS Adelhausen erstmals der große Triumph gelang, wurden im griechisch-römischen Stil in Bingen (Rheinland Pfalz) Andreas Heidt vom RV Rümmingen 03 deutscher Meister in der Klasse bis 34 Kilo und sein Vereinskollege Daniel Betz Vizemeister in der Klasse bis 50 Kilo. Weitere DM-Titel sicherten sich im Freistil die Südbadener Kevin Gomer (KSV Haslach i. K./46 kg) und Marvin Aliov (ASV Urloffen/76 kg) sowie im Greco-Stil Patrick Allgeier (RG Lahr/38 kg) und Timo Stiffel (KSV Haslach i. K./42 kg). Luca Megerle (Hofstetten) wurde wie Tarec Knosp (ASV Urloffen) und Tim Furtwängler (SV Triberg) Freistil-Vizemeister. Bronze holten Luca Lauble (KSV Hofstetten), Van Covelle Meier (ASV Renchen) und Dennis Glok (KSV Taisersdorf). Von 15 südbadischen Freistilringern schieden nur zwei vorzeitig aus. Die großartige Erfolgsbilanz drückt sich auch in der Länderwertung aus, die Südbaden mit 114 Punkten und großem Vorsprung vor Württemberg (62) und Hessen (51) gewann. Im Greco-Stil gab es auch Silber für Marius Krämer (Taisersdorf) und Bronze für Maximilian Remensperger (RKG Freiburg). Jeweils Sechste wurden Dennis Petenko (RV Rümmingen) bis 42 Kilo und Maximilian Mond (RG Hausen-Zell) bis 76 Kilo. Für Alexander Kizimov (RV Rümmingen/bis 46 Kilo) kam nach zwei Niederlagen das Aus. In der Länderwertung siegte Südbaden mit 84 Punkten vor Bayern (76) und Württemberg (72).
Eine überragende Bilanz wiesen die beiden Adelhauser Titelträger, betreut von Trainer Thomas Weber, auf. So gewann Johannes Voegele alle fünf Kämpfe in großartiger Manier mit 20:0 Punkten und 43:0 Technikpunkten. Nach Schultersiegen gegen Robin Erthel (KSV Seeheim) und Ludwig Gundel (TSV St. Wolfgang) bezwang er den Südbadener Matteo Joos (SV Eschbach) mit 2:0-Runden (3:0 und 3:0 Punkte) und im Halbfinale Mirco Rodemich (ASV Schwäbisch Hall) technisch-überlegen nach Punkten. Auch im Endkampf gab Voegele keine Wertung ab und schlug Friedrich Schröder (SV Luftfahrt Berlin mit 2:0 (2:0, 1:0).
Ähnlich herausragend war die Erfolgsbilanz von Jörn Schubert in sechs Duellen mit 24:3 Punkten (59:7). Nach Schultersiegen gegen Dominik Wölfle (KSV Hofstetten) und Leon Gerstenberger (AB Wurmlingen) sowie drei Punktsiegen gegen Tobias Peter (Schaafheim/technisch-überlegen), Aaron Köhler (VfK Schifferstadt) mit 2:0 (3:0, 5:1) und Nico Sausenthaler (TSG Augsburg/technisch-überlegen) setzte er sich auch im Finale durch. Indes benötigte Schubert gegen Adrian Heim (KSV Winzeln) drei Runden für seinen 2:1 (6:0, 3:3, 6:0)-Erfolg.
Großes Lob spendete Eduard Frick, Vereinsgründer des RV Rümmingen 03, den vier DM-Startern und Greco-Trainer Igor Pevtzov, dessen glänzende Arbeit sich auszahlt: "Jetzt bin ich überzeugt, dass es bei uns weitergeht." So war Andreas Heidt auf dem Weg zum DM-Titel zunächst ungefährdet. Der Youngster gab keine Wertung ab und bezwang Marcel Scheid (KSV Sulzbach) sowie Marc Nickel (RSV Frankfurt/Oder) jeweils klar nach Punkten und schulterte Stefan Maierhöfer (Röhlingen) sowie Tobias Knittel (Vogtland). Im Finale besiegte Heidt nach spannendem Verlauf Jonas Krämer (KSV Köllerbach) mit 2:1 (2:0, 0:2, 3:2).
Im Schnelldurchgang erledigte Daniel Betz seine Aufgaben bis zum Finale: Tim Barta (RV Lugau), Tom Ketterer (SV Eschbach) und Artur Schmidt (Greiswalder RV) legte er auf die Schultern, ehe er Jan Allgaier (KSV Hofstetten) mit 2:1 (0:2, 4:1, 4:1) auspunktete. Doch im Endkampf wurde Betz vom Sachsen Cedric Riedel (ASV Plauen) selbst geschultert.
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