Aus dem künftigen Stadtgeschichtsmuseum Flohburg: Mit einem Festspiel wurde ein Denkmal finanziert. Laiendarsteller führten im Jahre 1887 in Nordhausen ein Stück über den Reformator auf.
Nordhausen. Am 10. Mai 1888 überbrachte Gustav Reinsch, Rektor der höheren Töchterschule, dem städtischen Museum als Geschenk eine Kassette aus Eichenholz, 42,5 Zentimeter hoch, 36 Zentimeter breit und 6 Zentimeter tief. Auf dem Deckel befinden sich Bronzeornamente im Stil der Renaissance. Das mittlere Ornament trägt auf einer Messingplatte die Inschrift "Zur bleibenden Erinnerung an die Luther-Festspiel-Aufführungen in Nordhausen vom 23. Oktober bis 5. November 1887". Im Inneren befindet sich ein Album mit 16 Fotos der Theateraufführungen. Ein beigefügtes Programm nennt die Namen der Darsteller und Sänger. Die Holzarbeiten an der Kassette fertigte Tischlermeister Eduard Langrock an, die Fotos Brennereibesitzer Friedrich Hoffmann. In Vorbereitung auf den 400. Geburtstag Martin Luthers im Jahre 1883 war allgemein der Wunsch geäußert worden, dem Reformator in Nordhausen ein Denkmal zu errichten. Ein Komitee, dem u. a. Gymnasialprofessor Dr. Perschmann und Hermann Arnold angehörten, nahm sich aller Arbeiten an. Eine Geldsammlung erbrachte den Betrag von über 7000 Mark, so dass am 10. November 1883, dem 400. Geburtstag Luthers, der Grundstein für das Denkmal gelegt werden konnte. Auch die Aufführungen des Festspiels "Luther" von
Hans Herrig dienten dem Zweck, den Reinertrag der Vorstellungen dem Denkmal-Fonds zuzuführen. Hans Herrig (1845-1892), Journalist und Schriftsteller, der vorwiegend Stücke fürs Theater schrieb, hatte das Festspiel "Martin Luther" 1886 in Berlin veröffentlicht. Auf Wunsch des Luther-Komitees nahm Herrig eine kleine Änderung vor und ließ in der letzten Szene Johannes Spangenberg und Justus Jonas vor Luther in dessen Wohnung von der Einführung der Reformation in Nordhausen berichten. Spangenberg erzählt ausführlich, wie Luther angeblich am Martinsabend in Nordhausen von einem Schuster und seiner Frau mit Gänsebraten bewirtet wird. Zahlreiche Nordhäuser, Erwachsene und Kinder, wirkten als Laienschauspieler an der Aufführung mit, die an sechs Abenden im Tivoli-Theater über die Bühne gingen. Die wichtigste Rolle, die Luthers, wurde dem Gymnasiallehrer Robert Illner (1837-1909) übertragen. Die Rolle seiner Frau Käthe spielten Anna Lerche bzw. Margarethe Gossel. Der Reinertrag der Vorstellungen wurde ebenfalls dem Denkmal-Fonds zugeführt. Das Modell zum Nordhäuser Luther-Denkmal entwarf Karl Schuler, Berlin, für 3000 Mark, der Bronzeguss, hergestellt im Hüttenwerk Lauchhammer, kostete 6500 Mark; die Gesamtkosten einschließlich Brunnen betrugen 25 000 Mark. Ein knappes Jahr später, am 12. September 1888, konnte das Denkmal nach einer Festansprache von Superintendent Rosenthal um 11.45 Uhr auf dem Lutherplatz enthüllt werden. Hier befand es sich bis zum 2. November 1936. Nunmehr auf einem Sockel rechts vor dem Rathaus stehend, überstand es den Krieg und wurde vor dem Einschmelzen noch einige Zeit auf einem Schrottplatz verborgen. Das Luther-Album wird im neuen Museum zu sehen sein. Wenn Sie an
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