2011年7月18日星期一

Lust auf gute Musik

Post by (brautkleider günstig) July 2011
Die einfühlsame melancholische Musik zu Caroline Links „Jenseits der Stille“, die in subtilen Abstufungen und reichen klanglichen Variationen auch bei Filmen wie „Pünktchen und Anton“, „Nirgendwo in Afrika“ oder „Im Winter ein Jahr“ zum Tragen kam, wurde zu seinem Markenzeichen. Doch Niki Reiser, einer der herausragenden Komponisten des deutschen Films, lässt sich darauf längst nicht festlegen: „Glücklicherweise gibt es Regisseure wie Dani Levy, die wissen, dass ich eigentlich alles machen kann. Das ist ein Glücksfall beim Film, dass man sich auf alle möglichen Stile und Stilfragen einlassen kann.“ Mit dem 1958 im Schweizerischen Aargau geborenen Komponisten entstand eine neue CD innerhalb der Reihe EDITION FILMMUSIK – KOMPONIERT IN DEUTSCHLAND, bei der sich Reiser ganz auf seine Zusammenarbeit mit Dani Levy konzentriert.
Wie konzipiert man eine Filmmusik-Kompilation wie die in der EDITION FILMMUSIK?Reiser: Erst habe ich überlegt, einen großen Überblick über mein Werk zu geben. Dann kam mir die Idee, eine Kompilation nur mit meinen Arbeiten zu Dani-Levy-Filmen zu machen. Immerhin bin ich über ihn überhaupt zur Filmmusik gekommen und Filmkomponist geworden. Hinzu kommt, dass jeder Film von Levy vom Stil her eine komplett andere Musik hat. Von daher fand ich das immens interessant, die letzten 25 Jahre anhand eines Regisseurs Revue passieren zu lassen. Es ist lustig, noch einmal zu hören, mit wie viel Hall man in den 1980er-Jahren abgemischt hat und wie es sich dann über die 1990er-Jahre bis heute gewandelt hat. In den 1980er-Jahren hatte man zum Beispiel nicht mehr, wie früher, daran gedacht, eine Musik für Orchester aufzunehmen; das hat sich in den 1990-Jahren, eigentlich erst mit „Jenseits der Stille“, wieder geändert. Ich bin aber auch heute noch der Meinung, dass Orchester nicht um jeden Preis sein muss. Es gibt so viele andere Möglichkeiten.
Ihre Musik in den Filmen von Dani Levy erinnert ein wenig an die „Nummern“ der guten alten Filmmusik-Zeit eines Martin Böttcher oder Peter Thomas: Das ist keine abstrakte oder sinfonische Musik im klassischen Hollywood-Stil. Man könnte die Tracks vielmehr auch in Clubs auflegen. Ist diese Abgeschlossenheit der „Nummern“ Programm?Reiser: Grundsätzlich geplant ist das nicht. Ich habe als Jazz-Musiker angefangen. Dani Levy hatte mich auf einer Party gehört und angefragt, ob ich nicht für ihn Musik machen will. Es ist nicht so, dass wir uns vornehmen, die Filmmusik als „Nummern“ aufzuziehen. Bei uns funktioniert die Suche nach der richtigen Filmmusik ganz nach dem Lustprinzip. Dani hat zu Beginn eine klare Grundvorstellung, in welche Richtung die musikalische Reise gehen soll.
Wie muss man sich das vorstellen? Bringt er zum ersten Treffen ein paar Songs mit, die als Vorbild oder Temp-Track funktionieren?Reiser: Ein bisschen schon. Zum Beispiel hatte er bei „Alles auf Zucker“ eine Henry-Mancini-Platte gekauft, und darüber ist er zum Schluss gekommen, dass es super passen würde, wenn wir für den Film Bigband-Musik nehmen würden. Das Thema war also schon vorgegeben, bevor ich mich an die Musik gesetzt habe. Bei „Meschugge“ war es wieder anders; das ist eine Musik, die man noch am ehesten mit klassischem Hollywood-Score vergleichen kann. Da wollten wir einfach mal ein richtiges Orchester nehmen – und das „volle Kanne“. Bei „Du mich auch“ war es so, dass ich die Musik gemacht habe, die ich bis dato immer als Jazz-Musiker spielte. Die Musik zu „I was on Mars“ ist aus Stücken aufgebaut, die Dani damals ganz besonders gern mochte. Daraus habe ich zwar etwas ganz Anderes und Eigenes gemacht, das aber den „Spirit“ seiner Songs transportierte. Dani hört beim Drehbuch-Schreiben sehr viel Musik, die ich mir dann irgendwann auch anhöre. So schleicht sich das letztendlich auch in den Film hinein.
Wie schwer fällt es, sich von diesen Songs zu lösen und einen eigenen Weg zu gehen?Reiser: Das funktioniert ganz gut, zumal Dani nie zu mir kommt und sagt, es solle jetzt aber ganz genau klingen. Eigentlich geben mir die Sachen eher einen „Kick“, etwas auszuprobieren und mit etwas ganz anderem zu vermischen. Es ist ungefähr so wie: Ach, das könnte man ja auch noch machen. Bei „Stille Nacht“ ist jedes Stück beispielsweise in einem komplett anderen Stil komponiert. Das eine ist Rap, das andere eher Triphop, dann wieder eine Arie für Counter-Tenor, das durch einen belgischen Komponisten inspiriert wurde, der Klassisches mit modernen Klängen mixt.
Wie ist das bei „Alles auf Zucker“ oder „Mein Führer“? Das sind zwar Komödien, aber es steckt noch viel mehr dahinter. Wie geht man in einem solchen Kontext mit den Prämissen um, und wie setzt man sich mit den „Regieanweisungen“ auseinander?Reiser: Diese ganze Denkarbeit steht eigentlich nur am Anfang. Wenn sich die Gedanken einmal im Kopf gedreht haben, schalte ich das Denken aus und mache einfach eine Musik, die mir gefällt. Ich löse mich vom Bild und suche nach Klängen, die mich „anturnen“. Da bin ich dann, wie Dani Levy, auch mal ganz Bauchmensch. Die Zusammenarbeit mit Dani Levy funktioniert deshalb so gut, weil wir einfach Lust auf gute Musik haben. Sei es zum Tanzen, sei es, um eine mit Melancholie gepaarte Komik zu transportieren.
Wie funktioniert die Arbeit mit anderen Regisseuren, etwa mit Caroline Link, mit der es ja auch schon vier gemeinsame Projekte gab?Reiser: Mit ihr ist das eine ganz andere Ebene der Zusammenarbeit. Sie hat keine feste Vorstellung für die Musik und bestärkt mich viel mehr, einfach mal zu machen. Sie möchte erst etwas hören und kann nicht im vornherein über die Musikgestaltung reden. Das bedingt so manche Krise, weil ich viel mehr bei mir selbst suchen muss. Deshalb findet man in den Musiken bei ihr mehr von meinem Persönlichen, weil ich doch ein melancholischer Mensch bin.
Was man gar nicht glauben mag, wenn man die Musiken zu Dani Levys Filmen hört!Reiser: Stimmt, das Tolle bei Dani ist, dass er bei mir Sachen entdeckt, die ich selbst nicht vermuten würde. Er fordert mich heraus, und ich muss bei jeder Zusammenarbeit neu über meinen Schatten springen. Das macht mich um so glücklicher, weil ich dann irgendwann denke: Hey, das kann ich ja auch! Manche Stücke wie ein Rap oder ein mit Beat unterlegtes Opernstück hätte ich mir sonst wahrscheinlich nicht zugetraut.
Wie klappt das „Umschalten“, etwa von Levys „Mein Führer“ auf den bedrückenden „Im Winter ein Jahr“ von Caroline Link?Reiser: Jede Arbeit an einem Film geht bei mir immer mit einer Art Lebenskrise einher. Ich falle gegen Ende in ein totales Loch. Diese Krise ist dann eine Art „Reset“ im Kopf. Ich brauche grundsätzlich immer sehr lange für die Filmmusik. Kollegen sitzen zwei oder drei Monate an so etwas, ich arbeite aber schon mal fünf Monate an einem Film. Bis zur finalen Musik ist es oft eine sehr, sehr lange, oft auch schmerzvolle Erfahrung, bis man im Film angekommen ist. Bei Dani Levy klappt das inzwischen viel schneller und reibungsloser. Bei „Mein Führer“ und „Das Leben ist zu lang“ habe ich viele Stücke schon angefangen, ohne Danis Vorschläge abzuwarten. Ich wollte ihn quasi damit überraschen, während er noch am Schnitt saß.
Aber es ist doch eher ein Wagnis, quasi „ins Blaue“ hinein zu komponieren...Reiser: Das hat durchaus seine Vorteile, denn ich kann so dem Regisseur meine eigene Haltung zum Film darstellen. In der Regel habe ich das Drehbuch schon gelesen oder einige „Dailies“ gesehen. Dann kann der Dialog mit dem Regisseur beginnen, der mitunter ja froh ist, schon beim Rohschnitt Material von mir zur Verfügung zu haben.
Mit dem Erfolg wird man häufig auf einen Stil festgelegt. Wie ist das bei Ihnen?Reiser: Ich fürchte fast, mein Klischee ist dieser „Jenseits der Stille“-Stil: diese sehr emotionale, melancholische Musik, für die ich bekannt wurde. Interessanterweise ist vielen offenbar nicht bewusst, dass ich auch viele andere Sachen gemacht habe. Dani Levy lockt mich in diesem Punkt stets aus der Reserve und gibt mir das Gefühl, dass ich eigentlich alles machen kann. Das ist ein Glücksfall beim Film, wenn man sich auf alle möglichen Stile und Stilfragen einlassen kann. Mich interessiert am Film das Auftun immer neuer musikalischer Welten – egal, ob mit dem Sound von Afrika oder Berlin.
Manche Komponisten lehnen die Veröffentlichung ihrer Arbeiten auf CD ab...Reiser: Dazu zähle ich ich nicht. Jedes Stück, das ich für den Film schreibe, möchte ich so komponieren, dass ich es auch persönlich gerne anhöre. Deswegen arbeite ich für eine CD die Musiken auch noch einmal um, damit sie einen dramaturgischen „Flow“ bekommen. Auch wenn ich einen klassischen Score schreibe, denke ich immer in Songs, in geschlossenen Musikstücken, die zwar dem Film dienen sollen, zugleich aber auch ohne Film gut klingen. Ich möchte nie Musik machen, die leer daherkommt – ohne eigenen Inhalt!
Hinweis
Gleich zwei neue CDs sind in der Reihe „Edition Filmmusik – Komponiert in Deutschland“ erschienen, die sich herausragenden Komponistinnen und Komponisten sowie ihrer Arbeit für den deutschen Film widmet.

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