Post by (abendkleider online) Dec 2011
Stromberg will auf die Kinoleinwand, die Anhänger der TV-Serie sollen eine Million Euro beisteuern
Bernd Stromberg ist ein Albtraum von einem Chef - und gerade deshalb erfreut sich ein Millionenpublikum an der TV-Kultserie. Jetzt soll es den ersten Fernsehfilm über den Abteilungsleiter der fiktiven Capitol-Versicherung geben. Finanzieren sollen ihn zu einem guten Teil die Fans - über sogenanntes Crowdfunding. Drehbuch-Autor Ralf Husmann erklärt, wie das funktionieren soll - ganz im Stil der Kultfigur.brautkleider 2012
Welt Kompakt: In einer Zeit, in der Menschen selbst Staatsanleihen für zu riskant halten, sollen Fans eine Million Euro in einen Stromberg-Film investieren. Was hat Stromberg, was Angela Merkel nicht hat?
Bernd Stromberg: Erstens: Ich muss nicht gewählt werden, brauche also keine Rücksicht aufs Fußvolk zu nehmen. Zweitens, das Ding kommt nur in Deutschland raus, vielleicht noch in der Schweiz und Österreich, aber das ist ja praktisch auch Deutschland. Die ganzen Gurkenvölker werden von mir gar nicht erst beliefert, wohingegen die Merkel ja nicht nur Hans und Franz, sondern auch Pedro, Paolo und Costas mit durchzieht...
Welt Kompakt: Abgesehen von einer Nennung im Abspann - mit welcher Rendite dürfen Anleger rechnen?
Bernd Stromberg: The sky is mal wieder the limit. Geht das Ding durch die Decke, rappelt es richtig im Karton. Wenn wir so durchstarten wie Til Schweiger mit seinen Dreilochhasen und wie die Filmchen alle heißen, dann werden sich etliche Banker die Finger nach uns lecken...
Welt Kompakt: Irgendwelche Sicherheiten?
Bernd Stromberg: Hallo?! Wie heißt denn das Motto der CAPITOL? "Sicherheit ein Leben lang"! Das sagt ja wohl alles...
Welt Kompakt: Strombergs Natur ist durch und durch korrupt. Ab wie viel Euro kriegen Großinvestoren eine Nebenrolle?
Bernd Stromberg: Erstens: Die Frage ist eine Frechheit. Zweitens: Ab 50 000 Euro.
Welt Kompakt: Welche Stromberg-Charakteristika beschreiben die Chefs deutscher Finanzhäuser?
Bernd Stromberg: Banker sind die einzigen, die stinkreich werden, wenn es den Banken gut geht, und die, wenn es den Banken schlecht geht, stinkreich werden. Das schafft keine andere Berufsgruppe, und insofern ist die herausragendste Eigenschaft der Banker absolute Dreistigkeit. Und das meine ich positiv.
Welt Kompakt: Trotz ausgeprägten Aufstiegswillens fristet Stromberg ein Dasein auf Unterabteilungsleiterebene. Was läuft falsch in der Finanzbranche?
Bernd Stromberg: Ich verstehe die Frage nicht. Ich bin aktuell Leiter der Schadensregulierung. Und ich bin ja noch jung. Wie man an Guttenberg sieht, kann ich noch ein paar Mal Scheiße bauen und dann reicht's trotzdem noch für Brüssel...
Welt Kompakt: Die Capitol-Versicherung ist ja selbst Teil der Finanzbranche. Werden die Verhältnisse realistisch dargestellt?
Bernd Stromberg: Selbstverständlich. Jedenfalls realistischer, als "Bauer sucht Frau" das Landleben darstellt...
Welt Kompakt: Die Abteilung Schadensregulierung der Capitol versammelt vom Versager mit Achselnässe bis zur Frustfresserin die menschlichen Abgründe des Büroalltags. Will man das auf Cinemascope sehen?
Bernd Stromberg: Gucken Sie sich doch an, was für ein Quatsch grad in den Kinos läuft: blutleere Vampire, schwule Pinguine und gestiefelte Katzen. Nur kitschiges Heititei! Die Leute wollen mal wieder knallhartes Zeug. Davon bin ich überzeugt. Gut, so'n Ernie auf der Leinwand ist natürlich nix für Kinder, aber ich seh' den jeden Tag in 3D und muss da auch mit klarkommen.
Welt Kompakt: Was können Sie uns denn über die Filmhandlung sagen, oder ließe sich auch da noch drüber reden?
Bernd Stromberg: Wir bilden das Leben ab, und das ändert sich ja täglich. Insofern kann man natürlich noch gar nichts sagen, außer dass es hoch hergehen wird. Und niedrig auch. Auf jeden Fall wird es hergehen. Ich für meinen Teil werde richtig die Sau rauslassen...
Welt Kompakt: In was, außer sich selbst, würde ein Stromberg investieren?
Bernd Stromberg: Ich sag's mal mit Goethe, Rilke oder wer auch immer das gesagt hat: Wer jetzt kein Haus hat, soll sich auch keins mehr kaufen. Telekommunikation ist gut, denn gequatscht wird immer. Gerade jetzt, wo die Weiber alle eigene Handys haben. Und ich glaube auch, dass sich die Versicherungsbranche lohnt. Ich kann noch nicht drüber reden, aber ich hab ein paar richtig dicke Dinger in petto...
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