Post by (abendkleider online) Dec 2011
Die erste Runde von Ryan Murphys Geistergeschichten fanden letzte Woche auf FX ihr Ende. Die unkonventionelle Horrorserie mit ihrem unüblichen Stil konnte jedoch nicht vollständig überzeugen. Quotenmeter.de liefert Gründe.
Ryan Murphy wollte eine wahrlich spannende Horrorserie schreiben. Ryan Murphy plante eine wirklich schreckenerregende Serie mit schockierenden Szenen, und dachte gar nicht erst daran, sich an die ungeschriebenen Konventionen des Fernsehens zu halten. Man darf durchaus behaupten, dass «American Horror Story» als Serie gelingt, wenn man diese außerhalb des Gefildes von stereotypischem Fernsehen sieht. «American Horror Story» ist selbst dann eine toll anzuschauende Serie, wenn der Zuschauer schon in der Pilotfolge realisiert, dass die Autoren sich absolut nicht um die späteren Kritikermeinungen scheren. Als die Pilotfolge für die Kritiker vorgeführt wurde, gab es neben den üblichen Kommentaren einer Ryan-Murphy-Serie („sieht verrückt aus, fühlt sich verrückt an“) auch schon negative Worte. Der Stil der Serie ist kein Freund des normalen Geschmacks von Serienfans, das Storytelling entbehrt sich jeder Konventionalität, die Charaktere werden durch die Abfolge rasant geschnittener Szenen Schwierigkeiten haben, das Mitleid der Zuschauer zu generieren. Diese Probleme waren konstant verteilt über die komplette erste Staffel, welche am vergangenen Donnerstag auf FX endete, doch hatte «American Horror Story» einige Momente, welche durchscheinen ließen, dass die Serie wirklich etwas Geniales sein kann. Kaum ist die dreiköpfige Familie Harmon in ihr neues Haus eingezogen, spukt es auch schon heftig. Das Ehepaar Ben und Vivien versucht ihr zerrüttetes Eheleben in ihren neuen vier Wänden wiederzubeleben, während Tochter Violet ihr Emoverhalten weiterhin an den Tag bringt. Dass nebenbei auch noch dutzende von Geistern durch die Gänge laufen und den Harmons in jeder Episode nicht nur das Schrecken lehren (wollen), sondern auch eine Agenda verfolgen, macht es für die Familie nicht unbedingt einfacher, ein ruhiges Leben zu genießen. Eine Person im Latexanzug, welche nicht nur als Sexobjekt gesehen wird, sondern als potentieller Killer; wenn die Vergangenheit des Hauses zeigt, dass die Geister seit der Erbauung des Grundstückes das Leben der Lebenden erschwert; oder wenn die neue Familie langsam an der Unsicherheit der Situation zerbricht und nicht nur mit ihren emotionalen Problemen zu kämpfen hat – «American Horror Story» liefert nicht nur Horror, sondern auch genügend Drama und Emotion, dass die Golden-Globe-Nominierung als beste Dramaserie irgendwie gerechtfertigt zu sein scheint. Allerdings ist Ryan Murphy nicht unbedingt ein Autor, der in der Lage ist eine wirklich tolle Serie auf die Bildschirme zu bringen. brautkleider 2012
Man mag ja noch darüber hinweg sehen, dass «American Horror Story» buchstäblich gegen alle Regeln des Fernsehens verstößt und das bietet, was die Autoren sehen wollen (und nicht, was der Zuschauer nach der nächsten Szene erwartet). Doch wenn selbst der Stil der einzelnen Episoden im Weg des Storytellings steht, dann kann man Ryan Murphy durchaus mal hinweisen, dass er sich vielleicht mehr auf die eigentliche Geschichte denn auf den visuellen Teil konzentrieren sollte. «American Horror Story» bietet eine faszinierend wirkende Geschichte über das Leben nach dem Tod, und wie die Charaktere ihr eigenes Leben sehen, nachdem sie gestorben sind – allerdings ist davon fast gar nichts in der Serie zu sehen. «American Horror Story» will auch zeigen, wie mit Tate ein missverstandener Junge nach Verständnis und Liebe sucht – nur ist davon recht wenig in der Serie zu spüren, wenn die Autoren es nicht mal schaffen, Tate aus seiner tragisch-manischen Rolle ausbrechen zu lassen. «American Horror Story» will Geschichten liefern, welche die Grenzen überschreiten sollen. Wo Romeo und Julia aufhörten, wollte Ryan Murphy wieder ansetzen; wo «The Amityville Horror» die Axt schwingen ließ, wollte Murphy zeigen, was passiert, nachdem die Axt aus dem blutigen Kadaver wieder herausgezogen wird. «American Horror Story» wollte so vieles, hat in zwölf Episoden aber keine Möglichkeit gefunden, seine Charaktere wirklich wegweisend zu zeichnen.
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