2011年10月26日星期三

„Tulpen sind die fotogensten Blumen“

Post by (brautkleider 2012) Otc 2011

DRENSTEINFURT ▪ „Tulpen sind die fotogensten Blumen: Man weiß nie, wie sie sich verändern werden“, sagt Annet van der Voort. Die Drensteinfurter Fotografin hält seit Anfang der 90er-Jahre den Wandel in ihren Bilderserien fest. Nun erscheint – für das Jahr 2012 – ihr erster Kalender.
© van der Voort
Von Jan Schneider
Er heißt „Vanitas“ und zeigt auf zwölf großformatigen Fotografien Blumen, durch die Darstellung im Stil von Blumenstillleben des 17. Jahrhunderts der Zeit entrissen und ihr dennoch unterworfen. Insekten und Schnecken bevölkern die floralen Welten und erinnern an ihre Vergänglichkeit. Die Bildauswahl für einen Nachfolge-Kalender hat Annet van der Voort ebenfalls schon fertig.
Momentan freut sie sich außerdem über die Veröffentlichung von Bildern aus ihrer Serie „Lifetime“, die Porträts Jugendbildern des Porträtierten gegenüberstellt, in 14 internationalen Ausgaben des Magazins GEO.
Wer das Werk der Künstlerin besser kennen lernen will, hat dazu auch in ihrem neuen Bildband „Window of my eye“ Gelegenheit. Zu sehen sind darin Fotoserien, die auch schon bei der gleichnamigen Ausstellung im Kunstmuseum Ahlen in diesem Frühjahr gezeigt wurden.
15 Themenbereiche erkunden die Bilderserien. Die Vergänglichkeit in der Natur findet sich dort ebenso wieder wie die Vergänglichkeit und Wandelbarkeit der menschlichen Schönheit.
Die Künstlerin schlägt einen weiten Bogen von den Metamorphosen eines menschlichen Gesichts im Laufe eines Morgens über die zeitlose Verletzlichkeit von Madonnengesichtern bis zur lauernden Statik von Hochsitz-Ansichten.
Annet van der Voort porträtiert zum Beispiel junge Mütter und ihre Kinder aus sensibler Distanz, lässt Menschen mal fragend, mal selbstbewusst in einen Spiegel blicken. Sie liefert kraftvolle Porträts junger Menschen aus anderen Kulturkreisen und lässt sie ihre Geschichte in eigenen Worten erzählen.
Die Vanitas-Blumenschau ergänzt sie durch hautnahe Porträts alter Menschen, denen idealisierte Bilder von Schönheitsköniginnen aus den 30er-Jahren zusätzliche Spannung verleihen. Bei jungen Patienten in einer geschlossenen Psychiatrie blickt van der Voorts Kamera in starre, abweisende und verletzliche Gesichter.
Die Künstlerin zeigt, wie die Ebbe einen kleinen Felsen auftauchen lässt – unspektakulär und doch ewig. Sie konfrontiert den Betrachter mit der Ruhe auf den Gesichtern verstorbener Kinder, deren Leichen in medizinischen Sammlungen aufbewahrt werden. Sie entreißt verwitternde Grabstein-Bilder dem Vergessen.
Die Fotografin hält den Jahreslauf durch Spiegelungen im immer gleichen Fluss-Abschnitt fest und lässt im Kapitel „Unforgettable“ Angehörige die Geschichte eines Verstorbenen erzählen, dessen Porträt die Künstlerin in der Umgebung der jeweiligen Wohnung zeigt. Wunderlich putzige und abgeklärte Porträts von in wissenschaftlichen Sammlungen konservierten Tieren beenden das große Panorama der Vergänglichkeit.
Ergänzt wird es durch einfühlsame Texte der Künstlerin sowie von Anna Zika und Ralf Thenior in Deutsch und Englisch.
Für die nähere Zukunft kündigt die Fotografin eine Erweiterung ihrer jüngsten „Unforgettable“-Serie an. Vielleicht wird auch wieder ein neues Buch daraus.

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