Post by (brautkleider günstig) Sept 2011
Stuttgart - Am 26. August, nach der 0:1-Niederlage bei Hertha BSC, hat sich Bruno Labbadia dringend eine Auszeit nehmen müssen. Also suchte sich der sonst so kommunikative VfB-Trainer direkt nach dem Schlusspfiff in den Katakomben des Olympiastadions ein stilles Plätzchen, um emotional runterzukommen. "Ich war richtig wütend", erzählt Labbadia. Dabei richtete sich der Frust des Stuttgarter Fußballlehrers nicht gegen seine Spieler, sondern gegen die Umstände, die sich seiner Meinung nach gegen den VfB verschworen hatten.
Dabei war der aus Stuttgarter Sicht verweigerte Elfmeter durch den Schiedsrichter Jochen Drees - Martin Harnik war im Strafraum zu Fall gekommen (40.) - bei der Suche nach den fehlenden Punkten nur ein Teilaspekt. "Die taktische Disziplin hat bei meinen Spielern in Berlin mehr als gestimmt. Ich mache ihnen höchstens den Vorwurf, dass sie die vielen Chancen, die sie sich erspielt haben, nicht in Tore umgemünzt haben", sagt Bruno Labbadia nach dem gestrigen Vormittagstraining.
Die Tabelle schaut sich der Coach noch immer ungern an, "weil die Leistung, die wir in den ersten vier Saisonspielen gebracht haben, in keinem Verhältnis zu unserer Platzierung steht. Wir haben viel besser gespielt als einige Clubs, die derzeit vor uns liegen. "Langsam ist aber der größte Ärger über die zweite Niederlage nacheinander verflogen, bei der seiner Elf wie zuvor beim 0:1 gegen Leverkusen kein Tor gelungen war.
"Ein System ist immer so gut, wie es die Spieler ausfüllen"
In seiner Mittagspause sitzt der 46-jährige Labbadia daher auf dem VfB-Trainingsgelände entspannt auf einer Bank hinter dem Spielertrakt und bezieht Stellung zu der Taktikdiskussion, die es gerne gibt, wenn einer ambitionierten Mannschaft wie den Stuttgartern in inzwischen 199 Bundesligaminuten kein Treffer gelingt. Die Frage, wie der VfB wieder Tore schießt, beschäftigt vor dem Heimspiel in zehn Tagen gegen Hannover 96 natürlich auch Labbadia.
"Ein System ist immer so gut, wie es die Spieler ausfüllen", sagt Labbadia zur Frage, ob seine in der vergangenen Rückrunde erfolgreiche 4-2-3-1-Grundordnung weiterhin wirksam ist. "Wir sind nicht auf ein System festgelegt. Denn man muss immer schauen, welche Spieler man aktuell zur Verfügung hat - und wie gut sie drauf sind", ergänzt der Trainer. "Man sollte die Systemfrage dabei nicht zu hoch hängen."
Erfolg durch Offensivspiel
Grundsätzlich, so Labbadia, stehe er als Trainer für eine offensive Fußballphilosophie, deren Umsetzung zunächst einmal unabhängig von der taktischen Ausrichtung sei. "Mein Trainerteam und ich wollen auch beim VfB nach vorne spielen lassen. Wir wollen das Spiel bestimmen, also agieren und nicht reagieren", erklärt der Coach.
Etwas anderes sei bei den hohen Ansprüchen des Stuttgarter Publikums auch gar nicht praktikabel. "Defensiv Fußball spielen zu lassen ist zwar einfacher", sagt Labbadia, "aber es ist nicht unser Stil. Und die Fans wollen das ja verständlicherweise auch nicht sehen."
30 Punkte hat sich der VfB in der vergangenen Rückrunde mit dem von Labbadia neu eingeführten 4-2-3-1-System erspielt - nur der FC Bayern, Leverkusen und Dortmund waren da besser. Das habe den Stuttgartern eine Menge Respekt eingebracht, was die Elf nun zu spüren bekomme. "Selbst Schalke und Leverkusen waren gegen uns defensiver eingestellt als in ihren restlichen Spielen", sagt Bruno Labbadia.
Keine Rückkehr zum alten 4-2-2 in Planung
An eine Rückkehr zum alten 4-4-2, das der Vorgänger Christian Gross spielen ließ, denkt Labbadia offenbar nicht. "Dazu muss man die Spieler haben", sagt der Trainer - und verweist etwa auf sein Stürmerangebot: Julian Schieber ist verletzt, und Pawel Pogrebnjak sei erst jetzt wieder in Form. Obendrein gäbe es das Problem, dass Cacau als hängende Spitze hinter Pogrebnjak dazu tendiere, das Spiel machen zu wollen.
Daher gilt das Vertrauen des Trainers weiter Tamás Hajnal, "der die Lücken sieht und das in der vergangenen Rückrunde ganz toll gemacht hat". Momentan, das gibt auch Labbadia zu, hänge der Ungar ein wenig durch. Doch grundsätzlich sei das Problem nie ein einzelner Spieler. "Im Fußball braucht es individuelle Klasse, Spielintelligenz und Automatismen", sagt Bruno Labbadia: "Und um dies einer Mannschaft zu vermitteln, dazu braucht es eine Weile."
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