Post by (abendkleider online) Mar 2012
Ölkonzerne und Kanadas Regierung setzen auf eine Teersand-Bonanza. Die Pipeline-Träume könnten zu Rohrkrepierern werden
Die Ölindustrie und die kanadische Regierung wittern das große Geschäft mit den Teersanden, die unter der Provinz Alberta liegen. Um in ganz großem Stil fördern zu können, müssten Pipelines erweitert oder neu gebaut werden. Doch dagegen regt sich Widerstand.
Blick über das Burrard-Inlet mit Öltankern.
Foto: Ina Beyer
Langsam schieben sich gewaltige Tanker durchs Bild. Diese beunruhigen Ben West. Aus dem Büro der Umweltorganisation Wilderness Committee, für die er seit einigen Jahren die Klimakampagnen betreut, schaut er direkt auf das Burrard-Inlet. Im Moment passieren pro Jahr 97 Öltanker den Fjord. Jeder ist mit 700 000 Barrel (à 159 Liter) beladen. Wie Zeitbomben gleiten sie durchs Wasser. »Es kann immer zu einer Ölkatastrophe kommen«, sagt der Kanadier.brautkleider 2012
Das Öl, das die Tanker weitertransportieren, kommt über eine Rohrleitung an den Pazifik, die seit 2005 dem US-Unternehmen Kinder-Morgan gehört. »Die Transmountain Pipeline war zu Beginn der 1950er Jahre gebaut worden, um die Westkanadier mit Öl aus der Nachbarprovinz Alberta zu versorgen«, erklärt West. Seit etwa 15 Jahren aber hat in Alberta das Geschäft mit dem Teersand kräftig angezogen. Aus dieser zähen Mischung aus Sand, Öl, Ton, Wasser und dem teerähnlichen Stoff Bitumen ließen sich nach heutigem Stand der Technik 174 Milliarden Barrel Rohöläquivalent pressen. Nach Saudi-Arabien ist Alberta somit das zweitgrößte Ölabbaugebiet der Welt. Bei einem Barrel-Preis von derzeit rund 125 US-Dollar sind die Gewinnmöglichkeiten trotz der kostspieligen Förderverfahren enorm. Die Ölindustrie hat dies längst gewittert.
»Dabei kratzen wir wirklich den letzten Schlick aus dem Boden«, meint West. »Die Folgen für das Klima, die mit der Ölgewinnung verbunden sind, können wir nicht mehr umkehren.«
Albertas Teersande liegen unter einer Waldfläche, die 140 000 Quadratkilometer im Norden der Provinz ausmacht. Um an den kostbaren Energierohstoff zu kommen, muss die riesige Waldfläche zunächst abgeholzt werden. Dann wird in einem sehr aufwendigen Verfahren das Öl aus der zähen Masse herausgewaschen, wozu diese stark erhitzt werden muss. »Dazu werden große Mengen Erdgas verbrannt«, erklärt Ben West und nennt im Schnelldurchgang eine Reihe kompliziert klingender chemischer Fachbegriffe. »Im Grunde heißt dies, Unmengen eines Energieträgers einzusetzen, um einen anderen überhaupt gewinnen zu können«, fasst der lässig gekleidete Endzwanziger zusammen.
Unterm Strich bleibt eine gewaltige Klima-Negativbilanz: Der Ausstoß an Kohlendioxid ist drei bis vier Mal so hoch wie bei der Ölgewinnung aus konventionellen kanadischen Quellen. Beim UN-Klimagipfel im Dezember in Durban waren die Teersande denn auch ein großes Thema. Kurz danach verkündete die kanadische Regierung den Austritt aus dem Kyoto-Protokoll, welches die Verpflichtung zur Senkung des CO2-Ausstoßes beinhaltet. Dem konservativen Premierminister Stephen Harper sind die zu erwartenden Ölmilliarden ganz offenbar wichtiger als das Weltklima.
Doch so ganz problemlos entwickelt sich das Geschäft nicht. In der EU wird derzeit über Klimaauflagen diskutiert, die im Endeffekt auf einen Importstopp für Öl aus Teersand hinauslaufen würden. Auch mit den USA gibt es Probleme: Eigentlich möchte die kanadische Firma TransCanada über eine 2700 Kilometer lange Pipeline namens Keystone XL die Ölfelder in Alberta mit Raffinerien in Texas verbinden. Nach Protesten von Umweltschützern legte US-Präsident Barack Obama das Projekt jedoch im vergangenen Jahr auf Eis. Wie in der vergangenen Woche mitgeteilt wurde, darf nun das Teilstück zwischen den US-Bundesstaaten Oklahoma und Texas gebaut werden - womit jedoch Ölgebiete im Mittleren Westen der USA erschlossen werden sollen.
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