Post by (abendkleider online) Mar 2012
Linz, 28.03.2012 (KAP) Das Zweite Vatikanische Konzil (1963-65) wurde in vielfältiger Weise durch Papst Johannes XXIII. geprägt, vor allem aber hat der Roncalli-Papst mit seinem Aufruf zum "aggiornamento", zur Öffnung der Kirche zur heutigen Welt, einen neuen theologischen Stil geprägt. Davon zeigt sich der Konzils-Experte Günther Wassilowsky überzeugt. Wassilowsky, der an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz Kirchengeschichte lehrt, erklärte gegenüber "Kathpress", dieser neue Stil habe sich in einem "angst- und repressionsfreien Diskurs" auf dem Konzil gezeigt. Er habe auch dazu geführt, dass man den "lebenspraktischen Nutzen" von theologischen Lehren intensiv bedachte und diesen zum Kriterium machte, ob eine Lehre "im Hier und Jetzt überhaupt formuliert werden kann".
Johannes XXIII. habe so dazu beigetragen, dass das Konzil "eine theologische Kultur ausprägte, in der das Kriterium des Lebensförderlichen bestimmte Lehren von der Themenliste gestrichen hat." So habe das Konzil etwa bewusst auf Aussagen verzichtet, die ökumenische Geister oder auch Angehörige anderer Religionen hätten vor den Kopf stoßen können, so der Theologe. Der Kirchenbegriff des Konzils, der maßgeblich durch Johannes XXIII. geprägt worden sei, sollte "bewusst nicht an den Grenzen des Katholizismus halt machen". Vielmehr lag dem Roncalli-Papst von Beginn an an einer "universalen Perspektive" des Konzils.
Als "brandaktuell" bezeichnete Wassilowsky vor allem das durch das Konzil geprägte neue Kirchenbild und die darin gegebene "fundamentale Selbstrelativierung von Kirche". Das Konzil habe deutlich gemacht, dass Kirche "nicht um ihrer selbst willen" existiere, sondern dazu da sei, "der Welt in je neuen Formen das in Christus für alle geschehene Heil anzuzeigen". Auch heute müsse sich die Kirche von diesem Selbstverständnis immer neu anfragen lassen und für sich die Frage beantworten: "Halten wir heute an den richtigen Formen fest, um diesen Weltdienst wirklich angemessen zu erfüllen?" brautkleider 2012
Prägend sei Johannes XXIII. aber auch im Blick auf die "spezifisch pastorale Natur" des Konzils gewesen, so Wassilowsky weiter. Das Konzil sollte nach seinem Willen "nicht nur ein Beschlussorgan in Lehrfragen" sein, sondern "eine umfassende Erneuerung des Lebens der gesamten Weltkirche anstreben und selbst darstellen". Das Konzil sollte daher - so wollte es Roncalli - mit gutem Beispiel vorangehen und durch "offene Meinungsbildung unter den Konzilsvätern und Theologen" eine "vorbildlose Dynamik in Gang setzen". "Auf diese Weise wurde das Konzil zu einem echten Ereignis, das dem 'Charisma der Theologie' selbst Raum geboten hat", so der Linzer Theologe.
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