Post by (abendkleider online) May 2012
HERSBRUCK - Im trauten Ambiente der an Kunstschätzen
reichen Spitalkirche musizierte das Streicherensemble „Con Brio“ Werke
von Joseph Haydn und Franz Schubert. Zahlreiche Musikfreunde lauschten
den erlesenen Darbietungen der engagierten Musiker, die durch glänzende
Technik und vollendete Ausdruckstiefe die Zuhörer in den Bann zogen.
Es
musizierten Gerda Machmor-Geer (1. Violine), Heidi Braun (2. Violine),
Franz Rauch (Viola), Peter Donhauser und Ulf Geer (Violoncello), der das
Quartett zum Quintett erweiterte. Das 1991 von Heidi Braun und Peter
Donhauser (beide Musiklehrer) gegründete Ensemble „Con Brio“ genießt
durch seine klassischen Konzerte einen hervorragenden Ruf im Nürnberger
Land.
Haydns (1732-1809) Verdienst war es, die
Gegensätze zwischen polyphonem, kontrapunktischem Stil (Johann Sebastian
Bach) und dem galanten homophonen Stil des Rokoko aus Italien in einer
Synthese zum klassischen Stil zu vereinen. In diesem Stil sind seine 83
Streichquartette, über 100 Sinfonien und zwei weltliche Oratorien
entstanden. Der Physiker und Geiger Albert Einstein musizierte Haydns
Werke lebenslang.
Eingangs erklang das Quartett
D-Dur, op. 17/6 von Joseph Haydn. In transparentem Klang, leichtfüßig
unbeschwert und homogen gestalteten die Musiker das liedartige Thema,
das die Primgeigerin in hohen Lagen und sauber intonierten Doppelgriffen
in Terzen und Sexten ausführte. Das Menuett verströmte empfindsame
Kantilenen und delikat wiegende Triolen, die das Thema variieren.
Klangintensiv das Largo mit hübschen Fiorituren (ital. Blüten =
Verzierungen), Trillerketten und zwei kleinen Solokadenzen von der
Primgeigerin tonschön vorgetragen. Ein viel Technik forderndes Finale
sprühte nur so von witzigen Einfällen und endete unerwartet im
Pianissimo. Verdienter Applaus für eine herausragende Interpretation,
ganz im Sinn von Haydn.
Von Franz Schubert
(1797-1828): sein einziges Streichquintett in C-Dur, op. 163 posth. D
965. Durch ein zweites Cello erreicht das Werk orchestralen Klang.
Während ein Cello den Bass grundiert, korrespondiert das zweite Cello
mit der Bratsche in zarten Melodien. Die erfahrenen Musiker loteten alle
dynamischen Schattierungen ausdruckstief aus vom Pianissimo bis zum
Fortissimo. In den vier Sätzen klingen Motive von Liedern Schuberts an -
und doch erinnert diese elegische Musik in einer ergreifenden Aussage
an die seelische Verfassung des Liedkomponisten Franz Schubert, dessen
unheilbare Krankheit ihn mit dem Tod konfrontiert hatte. Man könnte
dieses im Todesjahr entstandene Streichquintett als einen Abschied vom
Leben bezeichnen. Seine innere Not ließ er in Tönen erklingen, um sich
von ihr zu befreien. Seine musikalische Sprache interpretierten die
Musiker so authentisch, dass sie den Zuhörern bisweilen unter die Haut
ging.
brautkleider 2012
Melodische Einfälle steigerten den
Klangzauber, ebenso der Wechsel von Dur nach Moll und kühne harmonische
Wendungen. Schrille Töne und Triller in hohen Lagen dynamisch bis ins
Unerträgliche gesteigert sollten das Unheil vorausahnen. Im Adagio
folgen überirdische Klänge, deren elegische Melodien feinsinnig geboten
an das Leben erinnerten. Düsteres Moll und erregte Triolen beenden den
traumhaften Rückblick. Auch das Scherzo ähnelt eher einem Totentanz, den
das folgende Trio (ohne Vibrato) mit fahlem Klang noch verstärkt. Ein
kurzes Andante führt klagend zur Annahme des Schicksals, ehe ein Finale
chaotisch mit synkopierten Themen und einem fff-Akkord, gleichsam einem
Aufschrei das tragische Ende symbolisiert. Mit einem Vorhalt auf der
Note Des, die den Grundton C zögernd freigibt, endet das Seelengemälde
des todkranken Franz Schubert, das die Musiker exzellent
interpretierten.
Frenetischer Applaus für eine
hohe künstlerische Leistung. Ulf Geer stellte eine Fortsetzung der neuen
„Klassik-Reihe“ des Kick in Aussicht.Alfred Eichhorn
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